Freitag, 10. September 2010

Ein Hoch auf die Inkas, Peru (17.08.-03.09.10)

Buenas tardes amigos,

wir grüßen aus La Paz, Bolivien und möchten Euch von hier (draußen in der Sonne sitzend) den letzten Teil unserer Peruabenteuer präsentieren. Wo waren wir letztes mal stehen geblieben? Ach richtig, in Huánuco im Grand Hotel. Das ist nun schon eine Weile her... Nach dem "Luxus" folgte wieder Höhe mit den üblichen Begleiterscheinungen: Sonne und toller, blauer Himmel am Tage, Kälte in der Nacht. Diese eine Nacht hatte es ganz besonders in sich. Wir schliefen auf der Plaza des kleinen Örtchens Vicco, da es zu spät war, noch einen schönen Wildcampingplatz zu finden.


Nach unserem kürzlich aufgestellten nächtlichen Höhenrekord gab es hier nun den nächtlichen Kälterekord (Foto: Mittlerer Wert Innentemperatur, unterer Außen. Rechts das GPS mit der Höhenangabe): Ohne die wärmende Sonne würden wir wohl jetzt noch im Bett liegen...

Endlich warm geworden fuhren wir den kleinen Ort Hualhuas an, der für seine Webkunst berühmt ist. Hier wird traditionell im Familienverbund gearbeitet und direkt verkauft.
Da wir mit Teppichen schon gut ausgestattet sind, benötigten wir e i g e n t l i c h keinen weiteren. Dennoch verguckten wir uns in ein besonders Stück mit dem Motiv des Sonnengottes der Tiahuanaco-Kultur. Hier werden noch ein paar Details fertiggestellt. Den ganzen Teppich gibt's dann im Winter in Wendisch Evern zu bewundern ;-)


Nach dem Shopping schnell wieder in die Natur. Solche Wildcampingplätze lieben wir!

Es folgten einige lange Fahrtage über staubige, doch wunderschöne Pisten. Das Fernziel war die Stadt Cusco doch von diesem legendären Ort waren wir noch einige Kilometer entfernt.

Das letzte und die drei folgenden Fotos entstanden kurz nach Sonnenaufgang auf einer Höhe von 4.200 Metern. Die Kälte kann man auf Bildern ja leider nicht so gut festhalten - dafür das sagenhafte Licht...




Angekommen in Cusco. Zu platt, um das Weltkulturerbe an einem Tag zu erobern. Wir blieben drei und genossen den regelmäßigen morgendlichen Besuch einer Lama- / Alpacaherde, die zur Rasenpflege von einer alten Indianerin über den Platz getrieben wurde. Herrlich die Viecher. Auch die Begegnung mit dem Boxer "Rusty" eines dort campenden Pärchens war nett. Am ersten Tag jagte er in Hochgeschwindigkeit eines der Alpacas über den Platz. Das hat nächtens über sein Verhalten wohl nachgedacht denn am Folgetag war es der Hund, der verdutzt flüchtete....

Die Stadt ist faszinierend. Zwar mussten wir feststellen, schon am ersten Tag mehr "Langnasen" zu begegnen, als in den neun Monaten davor, doch ist der Besucherandrang verständlich. Wir ließen uns mit den anderen Touris einfach treiben, genossen die Atmosphäre der alten, kolonialen Stadt, die auf den Grundmauern noch älterer Inkagebäude ruht. Hier ein Blick über die Plaza mit der Jesuitenkirche Iglesia la Compania.


Die Plaza bei Nacht, mit Jesuitenkirche und Kathedrale.


Zahllose Gässchen lohnen einen Blick. Man sieht auf dem Bild, dass die Gebäude zu beiden Seiten auf Inkamauern stehen!


Das ist die Calle Hatunrumiyoc, wohl die berühmteste Gasse, in der die Baukunst der Inkas hervorsticht.

Und weil sie so schön ist, schaute der alte Inkaherrscher auch kurz vorbei und verscheuchte die vielen unangemessen gekleideten Langnasen mit seiner Streitachst aus massivem Gold.


Nix Poroton: Granit und sonst gar nichts! Das steht so seit über 600 Jahren und hat viele Erdbeben und viele Spanier überdauert.
Warum immer waagerecht?

Die Steine wurden zum Teil miteinander verzahnt, zum Beispiel dort, wo Türen angebracht waren oder die Stabilität aus anderen Gründen erhöht werden musste. Man muss sich einmal vorstellen, wie das damals hergestellt wurde. Die einzelnen Steine sind tonnenschwer - einfach der absolute Wahnsinn!
Neben Touristen finden sich auch "Einheimische" in der Stadt ein. Für einen Sol (ca. 0,25 EUR) darf man diese dann auch ablichten - komplett mit Babylama oder Lamm. Das mussten wir dann auch tun, schließlich unterschieden wir uns in keiner Weise von den anderen kameraschleppenden und souvenirkaufenden Langnasen...


Manchmal ist das Fotografieren auch kostenlos - z.B. wenn man weit genug weg ist...


Diese Blüte passt zwar nicht richtig in die Serie - wir fanden sie aber so schön und so nutzen wir sie als Übergang von der Innenstadt hinauf zur 2,5 Hektar großen Festungsanlage Saqsaywamán, die nur drei Gehminuten von unserem Campingplatz liegt, mit wunderschönem Blick auf ganz Cusco.


So richtig kommt diese Festung nur im Panorama rüber. Leider erlaubt Blogger keine breiteren Bilder...

Ganz oben auf dem Friedhofsberg saß ein junger Indianer und spielte nur für sich Flöte. Ich setzte mich etwas entfernt ebenfalls auf die Wiese und lauschte (Corinna war zu der Zeit leider etwas weiter unten in der Festung). Irgendwann sprach er mich an und wir unterhielten uns über Umweltschutz, Touristenmassen und die Situation der Indianer. Ein bleibendes und untouristisches Erlebnis - und das mitten zwischen den Touristen...

Von Cusco aus steuerten wir unser nächstes großes Ziel an: Die Inkastadt Machupicchu. "Von hinten" schlichen wir uns heran, fuhren einen Tag mit dem Auto und machten es unseren Freunden, den "Mariposas" aus der Schweiz nach. Wir campierten im kleinen Ort Santa Teresa an einem Hostal, dessen Besitzer Genaro uns herzlich empfing - auch sein Äffchen enterte Tortuga umgehend und half aktiv beim Einparken:



Bald ging es los in Richtung der sagenhaften Inkastadt, die da irgendwo über unseren Köpfen, versteckt im Wald schlummerte. Die ersten Kilometer kniffen wir und nahmen ein Collectivo (immer passgenau gefülltes Sammeltaxi). Dann wanderten wir bei Sonnenschein entlang der maroden Schienen der Schmalspurbahn. Auffällig viele Schmetterlinge begleiteten uns bzw. bevölkerten die Gleise.



Auf dem Weg begleitete uns das ferne Donnern eines Gewitters, was die mystische Stimmung noch verstärkte. Am Nachmittag erreichten wir den touristisch aus allen Nähten platzenden Ort Aguas Calientes, wo alle (!) Machupicchubesucher durchgeschleust werden, egal, ob sie laufen oder per Bahn anreisen. Hier waren wir nun nicht mehr wirklich allein und Schmetterlinge gab's auch keine mehr.
Wir fanden ein akzeptables Hostal mit Blick in die fast senkrechten Berge und erholten uns von unserer kleinen Wanderung. Am nächsten Morgen begann der große "Run" dann um 4.00 Uhr. Wir "mussten" vor 6.00 Uhr oben in Machupicchu sein, um zum einen den Sonnenaufgang erleben und das berühme Foto machen zu können, und zum anderen, um unter den ersten 400 Besuchern zu sein, die die Erlaubnis zur Besteigung des nahen Berges Waynapicchu erhalten würden. Beides hat geklappt. Vielleicht sollte ich das mit dem "Tourikanalisationssystem" nicht so auswalzen. Es ist klar, dass hier viele Menschen zusammenkommen, aber es ist auch so einzigartig schön und die Organisation ist professionell. Später am Tage waren die Massen wie von Geisterhand verschwunden und kurz vor Toresschluss waren wir fast unter uns. Doch hier ohne Zwischengelaber einige Bilder der sagenhaften Stadt:







Zurück in Richtung unserer Tortuga ging es dann am nächsten Tag mit der Bummelbahn. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen - außerdem brüteten wir beide eine heftige Erkältung aus.

Da waren wir, wieder zurück im "Heute". In Santa Teresa besuchten wir noch die heißen Quellen, die herrlich ursprünglich waren, da die gefassten Becken Anfang des Jahres vom Hochwasser völlig zerstört wurden. So war es nur ein Loch mit heißem Wasser, früh am Morgen ganz für uns allein direkt am wild rauschenden Urubamba. Toll! (ohne Bild).
Es folgte wieder ein langer Fahrtag und eine für uns wichtige Entscheidung. Wir wollten unserem lieben Reiseführer Glauben schenken und einen größeren Umweg fahren, um den angeblich schönsten Sonnenaufgang Perus zu bewundern. Dafür mussten wir sehr hoch hinauf und oben über die Andenkordilliere schauen - der Punkt nennt sich "Tres Cruzes" (wer weiß warum?). Im Dunkeln kamen wir dort an, dicht gefolgt von einer badischen :-) Familie im gemieteten Kleinbus, die neben uns campierten. Regen, Nebel, dünne Luft bei 0°C. Und da war er dann, der nächste Morgen mit dem sagenhaften Sonnenaufgang:

Tja - Shit happens, aber wer wird sich denn von sowas die Laune vermiesen lassen? Dass wir uns auf der Fahrt da hinauf aufgrund einer von mir übersehenen Querrinne in der Piste noch eine Rahmentraverse abgerissen haben, an der Auspuff und beide hintere Stoßdämpfer befestigt sind, machte irgendwie auch nichts..... Der nächste Tag kommt bestimmt und wir campierten einfach "ungedämpft" an einem Ort, wo der Sonnenaufgang wirklich stattfindet, der aber NICHT im Reiseführer steht (wir verraten auch nicht wo das ist)!!!!

Jooohh, das ist doch ein nettes Abschiedsbild von unserem geliebten Peru - so finden wir. Mithilfe von drei Peruanern der lokalen "Spezialschweißerei" war die Traverse am nächsten Tag schnell wieder an Ort und Stelle gebracht und wir tingelten langsam zum Titicacasee, von dem im nächsten Post "Bolivien" berichtet werden soll.
Ganz liebe Grüße,
die Tortugas Corinna und Ralph