Da sind wir wieder - aufgetaucht von den Vermissten (nein Jan, der Blog ist nicht kaputt, nur die Verantwortlichen hatten irgendwie keine Laune / Zeit / Möglichkeit, ihn mit all den Neuigkeiten zu füllen :-)
Wir Tortugas weilen gerade in der Stadt Mendoza, der Hauptstadt der Provinz Mendoza (wo der leckere Wein herkommt). Hier sind wir eigentlich eher zufällig zwischengelandet und haben uns spontan entschlossen, für zwei Wochen die Schulbank zu drücken, um unser Spanisch soweit zu "perfektionieren", dass man uns hier wenigstens ein kleines Bischen versteht. Die Sprache ansatzweise zu verstehen, ist schon ein Vorteil, da wir bisher schon so viele nette Begegnungen hatten, die sicher noch tiefer gegangen wären, wenn man sich hätte sinnvoll unterhalten können. Gerade hier in Argentinien fühlen wir uns sehr sehr wohl. Überall haben wir positive Erfahrungen gemacht mit der Gastlichkeit der Menschen. Kinder winken uns, wenn wir Orte durchqueren, die alten Männer nicken uns zu, die jüngeren heben zustimmend den Daumen.... nie hätten wir gedacht, dass Reisen in Lateinamerika so entspannt sein könnte.
Wann haben wir das letzte Mal gepostet? Ach ja - auf dem Weg zur Laguna Epu Lauquen, geschätzte 600km südlich von hier, davon gibt's nun auch ein paar Bilder.
Um nicht ortskundige Leser mit geografischen Details zu langweilen: Wir fahren praktisch auf der Ostseite der Anden-Hauptkordilliere auf möglichst kleinen Pisten nach Norden und nehmen nahezu alle interessant anmutenden Pisten in Richtung Westen mit (praktisch immer Sackgassen). So finden wir menschenleere und spektakuläre Gegenden, oft auch nach abenteurlichen "Straßenerfahrungen". Der alte Landcruiser hat nun schon über 12.000km ohne nennenswerte Schäden überstanden. Hie und da muss mal ein Schräubchen erneuert -oder nachgezogen- und die beweglichen Teile abgeschmiert werden. Noch ist alles an Ort und Stelle. Hier in Mendoza gibt's auch endlich mal den längst überfälligen Ölwechsel.
Doch nun zu den Bildern: Das erste zeigt ein Loch im Boden. 400m Durchmesser, 140m tief und irgendwie geheimnisvoll. Schon die frühen "Geologen" (Indianer des Mapuche-Stammes) nutzten ihre Phantasie, um diese Erscheinung zu erklären. In den "Brunnen der Seelen" (es gibt zwei davon) sammeln sich die Tränen, der um die Verstorbenen Trauernden. Eine schöne Sage. Heute weiß man, dass es sich nicht um Vulkankrater sondern um Absenkungen handelt - wie auch immer die entstanden sein sollen. Wir waren jedenfalls eine Attraktion für die anderen Gäste, als wir mit dem Auto ganz nahe an den Zaun fuhren und uns mit Stativ auf dem Dach platzierten, um den Tümpel auch ja ganz auf's Bild zu bekommen (hier waren wir noch nicht allein).

Die Laguna Epu Lauquen liegt wunderschön vor einem schroffen Felsmassiv. Dieser Ort ist ein Naturreservat, man bezahlt Eintritt und teilt sich die schöne Aussicht mit einigen Händen voller Argentinier. Am Tage wanderten wir bei weit über 30°C zu Wasserfällen, deren Tümpel wunderbare Bademöglichkeiten boten (mit Gegenstromanlage). Die Übernachtung sollte zunächst unsere einzige auf einem "offiziellen" Campingplatz sein. Uns gefällt die absolute Einsamkeit doch besser.

Die (sichtbare) Fauna bestand hauptsächlich aus Vögeln, die Flora war farbenprächtig.

Hier wollten wir wissen, wie es sich anfühlt, in der Wildnis frisch gebackene Pizza zu genießen und probierten unseren Backofen aus. Ergebnis: Saustark! (Ich denke, für ein Stück Pizza kann man Höchstpreise erzielen, wenn man auf einem entlegenen Campingplatz mal Geld braucht. Der Duft war unwiderstehlich :-)
An diesem Abend, bei diesem fulminanten Mahl trafen wir eine große Entscheidung: Unsere Reise wird sich auf Südamerika beschränken - wir werden nicht nach Zentralamerika übersetzen. Grund: Wir sind die Tortugas und Südamerika ist größer als Korsika (was uns beiden in dieser Deutlichkeit nicht ganz klar war). Unsere bisherige Reisegeschwindigkeit könnten wir nicht beibehalten, wollten wir den Ursprungsplan aufrecht erhalten, bis Kanada zu fahren. Die Option, auf zwei Jahre zu verlängern gefiel uns zwar gut, wurde jedoch verworfen, da meine Chefs das sicher nicht wirklich prima finden würden (bilde ich mir jedenfalls ein). Die Entscheidung haben wir lange diskutiert und doch einstimmig getroffen. Nun sind wir sehr glücklich darüber, da wir viel mehr Ruhe haben. Ich weiß, dass das komisch klingen mag, da ein Jahr so wahnsinnig lang ist für eine Reise. Ein Blick auf den Globus hilft aber zu verstehen, warum wir es nicht in Ruhe schaffen können, von Süd- nach Nordamerika zu reisen ohne zu hetzen.

Eine nachtaktive Putzkolonne rückte auch sofort an - ein wenig Nachspülen war dennoch nötig....

Mit jedem Kilometer wurde es einsamer. Ein kleiner Hinweis am Wegesrand führte uns weiter zu einer Gruppe Mönche, die sich in dieser schroffen Gegend mangels Wassers in Sandstein verwandelt haben (ja, so muss das wohl gewesen sein...).

So langsam heißt es Abschied nehmen, Abschied von unserem geliebten Patagonien. Hier haben wir uns fast drei Monate lang aufgehalten, haben hier gelebt, sind in die gewaltige Natur eingetaucht und fühlen uns schon fast zuhause auf dieser unbeschreiblich wilden und schönen Seite unseres Planeten. Wildnis, Weite, Wolkenspiele soweit das Auge reicht.

....und natürlich Fahrspaß pur...

Endlich finden wir wieder einmal heißes Wasser. Dieses ist jedoch ein wenig zu warm. Ein Bad im kühleren Bach mit Blick auf Geysire ist allerdings auch mal was oder?
Bei der Weiterfahrt in Richtung des Vulkans Domuyo furteten wir einen Bach. Der grünliche Belag am Grund des Baches ließ mich anhalten. Normal sah das nicht aus. Der Test mit dem aus der Tür gestreckten Fuß ergab ein erstaunliches Ergebnis: Der Bach war heiß!!!!! Zu heiß, um zu baden. So wanderten wir stromabwärts bis uns die Temperatur gefiel. Ja, da war's auszuhalten.

Der Vulkan Domuyo zeigte sich in wundervollem Licht. Drei Tage verbrachten wir in seiner Nähe. Da die auf unserer Karte eingezeichnete Straße leider nicht existierte (seit Jahren in Planung, doch nie realisiert) fuhren wir anschließend fast 250km wieder zurück. Kein großer Ärger bei der Schönheit der Strecke.



Durch Zufall entdeckten wir am Wegesrand einen Badetümpel. Dieser war nur für uns angelegt worden, bot mit etwas über 40°C (geschätzt) eine gerade noch auszuhaltende Temperatur (bedenkt man die hohe Tagestemperatur von weit über 30°C) und eine geniale Aussicht über Berge und Täler bis nach Chile. Natürlich blieben wir und gingen auch nachts noch einmal in den Topf. In der Ferne blitzte es!! Dieser Nachtplatz verdiente 10 Tortugapunkte - Höchstpunktzahl!!!!

Nahezu vegetationsfreies Camp auf 2.400m.
...fast vegetationsfrei, denn die Gegend erwies sich als wenig gastlich für Fahrzeuge mit Gummireifen (sind aber noch dicht. Um Kakteen sollte man eben einen Bogen machen und sie nicht einfach plattfahren :-)

Wieder ein Vulkan - dieses Mal der Tromen im gleichnamigen Nationalpark.

...und ein Schlafplatz in der Pampa del Diamante mit Weitblick in drei Richtungen (nachts auf ein fetziges Gewitter auf einer Breite von mehr als 50km!!!!! Da hinten kommt es gerade!)



Ein paarhundert Kilometer nördlich führte uns eine kleine Piste von Mendoza in Richtung Osten zum farbenfrohen Berg "Cerro de siete colores". Für die Piste, die nur von ein paar Motocrossern genutzt wird, benötigten wir zwei halbe Tage und uns wurde wieder einmal bewusst, warum wir einen Geländewagen haben.
Bei diesem Berg handelt es sich eher um ein kleines Gebirge aus farbenfrohen Bergen. Wir waren so fasziniert davon, dass wir an Ort und Stelle einen Übernachtungsplatz suchten (und fanden) um die Abendstimmung richtig genießen zu können. Wir waren wieder einmal völlig allein auf der Welt.



Egal, wie klein oder abgelegen die Pisten auch sind - immer wieder stoßen wir auf kleine Altäre, die dem einen oder anderen Heiligen gewidmet sind (dieser hier ist allerdings an einer etwas größeren Piste aufgenommen). Da das Land sehr trocken ist, werden als Opfergaben gefüllte Wasserflaschen hinterlassen. In diesem Teil des Landes wird eine junge Mutter als Heilige verehrt, die auf der Suche nach ihrem Mann in der Wüste verdurstete. Ihr neu geborenes Kind überlebte an der Brust der Mutter. Überall wird "Difunta Correa" verehrt. Da der Name skurriler Weise auch "kaputter Keilriemen" bedeutet, findet man einen regelrechten Kult. Zuhauf werden auch (mehr oder weniger brauchbare) Autoersatzteile gespendet. Hier liegt zum Beispiel ein Stoßdämpfer zwischen den Flaschen).
Wir nähern uns wieder Mendoza. Die Abfahrt über unzählige enge Kehren mit Blick in die Tiefe haben Corinna sehr, sehr müde gemacht. So kann man auch im nicht ausgeklappten Bett ein Vor-dem-Abendbrot-Nickerchen halten- Sieht gemütlich aus. Mir wär's aber doch etwas eng da oben....
Ja, und mit diesem Sonnenaufgang (Ja: AUFGANG!) über der Ebene Mendozas möchten wir uns wieder für ein paar Tage verabschieden. Das tun wir aber mit einem Versprechen: Der nächste Post ist vorbereitet und erscheint am Montag den 22.Februar 2010. Ehrlich!
Die Tortugas