Sonntag, 29. November 2009

Tierra del Fuego, Argentinien und Chile (24.11.-30.11.09)

Fin del Mundo - Ende der Welt!
Mit diesem Argumat wirbt die Stadt Ushuiaia, die südlichste Stadt der Welt. Heute sitzen wir in unserer Tortuga, genießen eine exzellente WLAN-Verbindung und blicken vom Camingplatz "La Pista del Andino" über die Stadt hinaus auf den rauhen Beaglekanal und die dahinter liegenden, schneebedeckten Berge, die in der Sonne leuchten. Das Thermometer zeigt 3,1°C - wir hoffen auf weiße Weihnachten :-)
Schon seit fünf Tagen sind wir in und um Ushuiaia unterwegs. Der Nationalpark "Tierra del Fuego" hat uns in seinen Bann gezogen und zu einer richtigen und mehreren kleinen Wanderungen animiert. Die Landschaft erinnert an Norwegen und Neuseeland zugleich, das Wetter ändert sich im 15-Minuten-Takt. Heute weckte uns die warme Sonne bei Windstille. Ein Blick aus dem Panoramafenster unseres Hubdaches zeigte das oben beschriebene Bild. Zum Frühstück genossen wir Schneetreiben bei 10m Sicht, nun ist es wieder schön. Wir können uns nicht sattsehen und kommen daher heute auch nicht wirklich in die Gänge. Doch was soll's, wir haben ja Zeit. Tut gut, das zu schreiben :-)

Das Ende der Ruta 3 liegt schon im Nationalpark und wird von diesem schönen Holzschild markiert.


Der Park ist sehr gut beschildert und für den Besucheransturm ausgelegt, der hier in den Sommermonaten einbricht. 350 Kreuzfahrtschiffe legen in Ushuiaia an und ergießen einen Großteil der insgesamt jährlichen 200.000 Touristen in die Stadt und in bereitstehende Busse, die zum Ende der Welt fahren. Wir begegnen in der Stadt und auf den Camps mehrfach ausländischen Fahrzeugen, allen voran deutschen und französischen Kennzeichen. Mehrmonatige, organisierte Touren von Alaska nach Feuerland (gern mit Motorrädern) enden hier am Schild mit Champagner und Hupkonzerten. Der Moment ist sicher auch ergreifend - sogar für uns, denen diese Ehre der absolvierten Panamerikana (noch?) nicht gebührt.

Wenn doch das Wasser nicht so kalt wäre....es wäre ein Badeparadies


Die Bude auf dem Steg ist die südlichste Postfiliale Argentiniens und vielleicht der Welt? Corinna bekam vom Postmann eine Flasche "Cape Horn" Bier geschenkt. Es war wirklich nett dort!



Straßengeschehen - Tiertransport auf argentinisch. Für das Pferd möglicher Weise spannender, als im geschlossenen Wagen....



Im Nationalpark gibt es viel zu sehen. Besonders die Vogelwelt ist toll. Hier ein Karakara


...und hier ein männlicher Magellanspecht (gefährdete Spezies), der uns sein Holzbearbeitungswerkzeug eindrucksvoll vorführte.


Der Frühling ist deutlich zu sehen. Zarte Blüten überall.


Der Beginn unserer großen Wanderung auf den Cerro Guanako führte uns durch kalten Regenwald, in dem die Südbuche (Lenga) dominiert. Spannend zu beobachten ist die Änderung der Vegetation mit zunehmender Höhe. Die Baumgrenze liegt bei nur 600m!

....und ein paar Höhenmeter darüber stapften wir durch knietiefen Schnee. Dann kam noch ein Schneesturm dazu und die Temperaturen fielen unter 0°C. Alles sehr extrem hier!!!


Zurück in der Zivilisation (ein Tag später) ein gepflegtes Glas Vino Tinto in einem urigen Lokal.


Vermutlich eine Art Wahrzeichen der Stadt ist das Schiffswrack direkt am Ufer. Sicher sehr oft fotografiert - auch von uns :-)


Und zum Abschluss noch ein Panoramablick (so ähnlich schauen wir gerade auf die Stadt). Heute fahren wir in Richtung Osten wieder in die Wildnis, morgen verlassen wir voraussichtlich das wunderschöne Tierra del Fuego in Richtung Chile (vorher heißt es wieder fleißig das frische Gemüse vertilgen, da man das nicht über die Grenze kriegt).


Bis in Bälde,
Die Tortugas
***
PS: Jan - wir kriegen langsam die Kurve und aktualisieren hin und wieder mal. Dank dennoch für die Vorinfos in Euren Berichten (übrigens zieht es in UNSEREM Auto nicht! :-)

Der Weg zum Ende der Welt, Argentinien (13.11.-23.11.09)

Nachdem wir das Reich der Wale wehmütig verlassen haben, erlebten wir neue Abenteuer auf dem Weg in den Süden. Die geteerte, direkte Verbindungsstraße nach Feuerland, die Ruta 3, mieden wir (soweit möglich) zugunsten der an der Küste verlaufenden Pisten. Diese sind wenig befahren und oft von schlechter Qualität, was aber das Gefühl der Wildnis nur vergrößert. Wozu fährt man einen Landcruiser? Städte gibt es ohnehin kaum auf der Strecke, die Wenigen steuerten wir wenn möglich nicht an. Außerdem neige ich dazu, in Städten Einbahnstraßen verkehrt herum zu befahren - ich gewöhne es mir jedoch durch die aktive Mithilfe der Einheimischen bestimmt bald ab.
Die Tierwelt lockt mit Magellanpinguinen, Seeelefanten, Seelöwen, Guanacos, Nandus, Graufüchsen, Gürteltieren und der vielfältigen Vogelwelt (ja, klar, Pinguine sind auch Vögel, wissen wir :-)
Strandgut! Diese beiden schliefen mit ihren Familienoberhaupt wenige Meter vor unserem Auto am Strand. Als Spätankommer hielten wir sie zunächst für tot. Ich sollte das prüfen und wurde beim Näherkommen von Papa-Seeelefant genau beobachtet. Doch wer bewegt am späten Abend mehr als nur die Augen, nur weil ein ahnungsloser Mensch mit einer Stirnlampe daherkommt?Hat einen guten "Aha-Effekt" auf meiner Seite produziert. Wir durften jedoch bleiben.


Strandtag bei 6°C


Unsere Guanacofreunde. Zur Aufklärung: Alle Guanacos haben zwei Ohren. Diese kann man jedoch offenbar prima wegklappen, um einen dämlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen (Bild mal anklicken, dann sieht man das hervorragend).


Mann auf Ofen (leider aus). Kalt hier, doch schöne Aussicht auf den Vogelfelsen


Endlich bei den Pinguinen. Erst in Punta Tombo, dann in Cabos dos Bahias. Beide Orte eine Reise wert.

Pinguine haben hier "Vorfahrt".


Heute das Licht der patagonischen Welt erblickt. Die ersten Jungen schlüpfen.


Ich betätige mich als Tontechniker - der Geräuschpegel ist enorm. Unsere Pinguine geben schöne, trompetende Laute von sich.


Vierbeiniger Besuch in unserer Hütte. Unser Fischgericht ist jedoch zu gut bewacht....


Die Waschweiber. Erster erfolgreicher Versuch unsere Klamotten zu entstinken - und das mitten im Nirgendwo. Die "Buschwaschmaschine" auf dem Autodach hat am Vortag gut funktioniert, nur der Spülgang muss nun von Hand erfolgen. Patagonischer Wind ist ausreichend vorhanden für die Expresstrocknung. Das andere Ende der Wäscheleine ist am Landrover unserer Freunde festgemacht. So hat das Reisen mit zwei Fahrzeugen doch einige Vorteile ;-)

Die Gegend ist hier sehr trocken, geprägt von verschiedenen Wüstenpflanzen, Sand, Fels und Salzseen. Die Tierknochen sind meist die Überreste von Pumamahlzeiten. Diese imposanten Katzen haben wir leider bisher noch nicht zu Gesicht bekommen.


Gut bewaffnet gegen Fressfeinde und zu neugierige Reisende...



Angekommen am versteinerten Wald. Jan und ich versuchen uns als Paparazzi. Gut, dass das Motiv in diesem Fall geduldig ist.

Die Baumriesen (frühe Form der heutigen Araukarie) liegen hier auf einem wunderschönen Areal auf einem Bergrücken mit Blick auf den Verursacher der Versteinerung - den Doppelvulkan Madre e Hija, der vor gut 150 Millionen Jahren den Wald mit Asche verschüttete. Der Prozess der Petrifizierung vollzog sich durch das ins Holz eindringende Regenwasser. Beim Durchsickern der Asche lud es sich mit Siliziumsalzen auf, die es ins Zellgewebe transportierte um die dort verfallende pflanzliche Substanz zu ersetzen. Die Stämme mit einem Durchmesser von z.T fast drei Metern und einer Länge von bis zu 35 Metern gehören zu den größten fossilen Bäumen der Welt.



Da war doch noch der berüchtigte patagonische Wind - nicht, dass man den einmal vergisst.....


Die Fahrt zur Estancia La Maria wurde zur Schlammschlacht. Wir versuchten eine Abkürzung zu nehmen, die über das Gelände einiger Estanzien (was die Amis Ranges nennen) führte. Die Navigation war etwas schwierig. Mehrfach musste das GPS unsere Position ermitteln und wir feststellen, das da laut Karte kein Weg existieren sollte. Es war spannend. Der Wind röhrte, es war kalt, die Wolken spektakulär. Ca. 7 drei Fragezeichen-Folgen später errreichten wir wieder eine offizielle Piste, die uns dann schnell zur Estanzia führte.


Auf dem Gelände der Estanzia befinden sich 87 Höhlen, in denen Malereien der Tehuelche-Indianer zu bewundern sind. Das Alter der Malereien wird auf etwa 12.600 Jahre geschätzt. Wir genossen eine Einzelführung mit der Tochter des Hauses und erlebten einige wirklich magische Stunden in die Vergangenheit - und das ganz ohne Tourirummel. Das bekannte Pendant zu diesem Geheimtip (Cuevas de las manos) ist extrem vermarktet und entsprechend beliebt bei Touristen. Wir haben es daher nicht besucht, wissen also auch nicht, ob wir dem Ort Unrecht tun.

Einige Menschen reisen in kleinen, andere in etwas größeren Fahrzeugen. Wir freuen uns über unsere kleine Tortuga :-)

Und zum Ende dieses Eintrages noch ein paar Stimmungen, die die einmalige Wolkenlandschaft für uns an den Himmel zeichnete.


Unten ist noch unser Video von den kleinen Gesellen.
Und nun auf, ans Ende der Welt!



Montag, 16. November 2009

Im Reich der Wale, Argentinien (05.11.-12.11.09)

Gut 1100 Kilometer auf einer immer ruhiger werdenden Ruta 3 stimmten uns langsam auf die Weite dieses Landes ein. Die Hauptverkehrsader Argentiniens führt durch die Weite der Pampa und brachte uns unserem ersten Ziel, der Halbinsel Valdés zügig näher.
Teerstraßen mit LKW aus dem Museum (ohne Auspuff) sind nun nicht gerade das, was wir um uns herum sehen (und hören) wollen. So ging es dann bald an die Küste und die dort verlaufende Schotterpiste Ruta 1. Das war dann etwas für uns. Die trockene, staubige Gegend verfügte über die für uns genau richtige Dosis Menschen - nämlich praktisch gar keine.
Dafür reihten sich Traumübernachtungsplätze aneinander. Unsere ersten beiden Erholungstage verbrachten wir auf einer Düne mit Blick auf den Ozean. Entspannen funktioniert so recht gut :-)


Zusammen mit unseren Freunden bewachen wir die Düne


Sahara?

Platz ist in der kleinsten Hütte - jedenfalls wenn diese über eine Standheizung verfügt. Wenn alle mitspielen, wird man auch nicht unbedingt als Weichei abgestempelt. Neben Antonia und Jan wärmten sich auch die beiden "Radfahrer auf Abwegen" Anna und Peter.

Endlich in Valdés angekommen. Man sieht die Entspannung kommen! Keine Frage oder?

Stimmungsvolle Abende - das finden nicht nur wir sondern auch die Guanakos


Dinosaurier gibt es hier auch noch - in Miniausführung
Dieses Gürteltier schlafwandelt nicht! Es bettelt auf meditative Weise nach Nahrung. Dabei stellte es mehrfach fest, dass es zwar auf 2 Beinen stehen aber nicht laufen kann. Im hohen Bogen flog es bei jedem Gehversuchen immer wieder nach vorn. Herrlich!

Zwei verliebte Menschen am eigenen Strand

Fliegende Küstenwache

Gemeinsame Kolonie von Seelöwen und Seeelefanten. Valdés ist das einzige Habitat der Welt, wo Rüsselrobben an einer kontinentalen Küste zuhause sind. Gemütliche Gesellen, diese Tiere. Der Biorythmus ist erstrebenswert. Schlafen, Fressen, Schlafen, Sonnen, Fressen, im Wasser planschen und immer mal laut Grunzen. Wir arbeiten auch daran.
Wer stört da meine Mittagsruhe?

Wo ist Mama?

Dann das absolute Highlight für uns. Die sanften Riesen direkt vor der Haustür. Ohne Walewatchingtour, ohne Ranger. Die Wale kamen zu unserem Stellplatz am Golfo Nuevo. Oft ließen sich Muttertier und Jungtier gemeinsam vom Bett aus beobachten. Nachts hörte man das Blasen der Wale und das Klatschen der Flossen auf die Wasseroberfläche. Es war so ergreifend, dass wir ganze vier Tage bei Ihnen zu Gast waren.




Unser Stellplatz mit Walblick.
Der Abschied von Valdés fiel uns sehr schwer doch das Abenteuer ruft und wir haben noch ganze 50 Wochen vor uns! Yeeeeaaahh!