Sonntag, 29. November 2009

Der Weg zum Ende der Welt, Argentinien (13.11.-23.11.09)

Nachdem wir das Reich der Wale wehmütig verlassen haben, erlebten wir neue Abenteuer auf dem Weg in den Süden. Die geteerte, direkte Verbindungsstraße nach Feuerland, die Ruta 3, mieden wir (soweit möglich) zugunsten der an der Küste verlaufenden Pisten. Diese sind wenig befahren und oft von schlechter Qualität, was aber das Gefühl der Wildnis nur vergrößert. Wozu fährt man einen Landcruiser? Städte gibt es ohnehin kaum auf der Strecke, die Wenigen steuerten wir wenn möglich nicht an. Außerdem neige ich dazu, in Städten Einbahnstraßen verkehrt herum zu befahren - ich gewöhne es mir jedoch durch die aktive Mithilfe der Einheimischen bestimmt bald ab.
Die Tierwelt lockt mit Magellanpinguinen, Seeelefanten, Seelöwen, Guanacos, Nandus, Graufüchsen, Gürteltieren und der vielfältigen Vogelwelt (ja, klar, Pinguine sind auch Vögel, wissen wir :-)
Strandgut! Diese beiden schliefen mit ihren Familienoberhaupt wenige Meter vor unserem Auto am Strand. Als Spätankommer hielten wir sie zunächst für tot. Ich sollte das prüfen und wurde beim Näherkommen von Papa-Seeelefant genau beobachtet. Doch wer bewegt am späten Abend mehr als nur die Augen, nur weil ein ahnungsloser Mensch mit einer Stirnlampe daherkommt?Hat einen guten "Aha-Effekt" auf meiner Seite produziert. Wir durften jedoch bleiben.


Strandtag bei 6°C


Unsere Guanacofreunde. Zur Aufklärung: Alle Guanacos haben zwei Ohren. Diese kann man jedoch offenbar prima wegklappen, um einen dämlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen (Bild mal anklicken, dann sieht man das hervorragend).


Mann auf Ofen (leider aus). Kalt hier, doch schöne Aussicht auf den Vogelfelsen


Endlich bei den Pinguinen. Erst in Punta Tombo, dann in Cabos dos Bahias. Beide Orte eine Reise wert.

Pinguine haben hier "Vorfahrt".


Heute das Licht der patagonischen Welt erblickt. Die ersten Jungen schlüpfen.


Ich betätige mich als Tontechniker - der Geräuschpegel ist enorm. Unsere Pinguine geben schöne, trompetende Laute von sich.


Vierbeiniger Besuch in unserer Hütte. Unser Fischgericht ist jedoch zu gut bewacht....


Die Waschweiber. Erster erfolgreicher Versuch unsere Klamotten zu entstinken - und das mitten im Nirgendwo. Die "Buschwaschmaschine" auf dem Autodach hat am Vortag gut funktioniert, nur der Spülgang muss nun von Hand erfolgen. Patagonischer Wind ist ausreichend vorhanden für die Expresstrocknung. Das andere Ende der Wäscheleine ist am Landrover unserer Freunde festgemacht. So hat das Reisen mit zwei Fahrzeugen doch einige Vorteile ;-)

Die Gegend ist hier sehr trocken, geprägt von verschiedenen Wüstenpflanzen, Sand, Fels und Salzseen. Die Tierknochen sind meist die Überreste von Pumamahlzeiten. Diese imposanten Katzen haben wir leider bisher noch nicht zu Gesicht bekommen.


Gut bewaffnet gegen Fressfeinde und zu neugierige Reisende...



Angekommen am versteinerten Wald. Jan und ich versuchen uns als Paparazzi. Gut, dass das Motiv in diesem Fall geduldig ist.

Die Baumriesen (frühe Form der heutigen Araukarie) liegen hier auf einem wunderschönen Areal auf einem Bergrücken mit Blick auf den Verursacher der Versteinerung - den Doppelvulkan Madre e Hija, der vor gut 150 Millionen Jahren den Wald mit Asche verschüttete. Der Prozess der Petrifizierung vollzog sich durch das ins Holz eindringende Regenwasser. Beim Durchsickern der Asche lud es sich mit Siliziumsalzen auf, die es ins Zellgewebe transportierte um die dort verfallende pflanzliche Substanz zu ersetzen. Die Stämme mit einem Durchmesser von z.T fast drei Metern und einer Länge von bis zu 35 Metern gehören zu den größten fossilen Bäumen der Welt.



Da war doch noch der berüchtigte patagonische Wind - nicht, dass man den einmal vergisst.....


Die Fahrt zur Estancia La Maria wurde zur Schlammschlacht. Wir versuchten eine Abkürzung zu nehmen, die über das Gelände einiger Estanzien (was die Amis Ranges nennen) führte. Die Navigation war etwas schwierig. Mehrfach musste das GPS unsere Position ermitteln und wir feststellen, das da laut Karte kein Weg existieren sollte. Es war spannend. Der Wind röhrte, es war kalt, die Wolken spektakulär. Ca. 7 drei Fragezeichen-Folgen später errreichten wir wieder eine offizielle Piste, die uns dann schnell zur Estanzia führte.


Auf dem Gelände der Estanzia befinden sich 87 Höhlen, in denen Malereien der Tehuelche-Indianer zu bewundern sind. Das Alter der Malereien wird auf etwa 12.600 Jahre geschätzt. Wir genossen eine Einzelführung mit der Tochter des Hauses und erlebten einige wirklich magische Stunden in die Vergangenheit - und das ganz ohne Tourirummel. Das bekannte Pendant zu diesem Geheimtip (Cuevas de las manos) ist extrem vermarktet und entsprechend beliebt bei Touristen. Wir haben es daher nicht besucht, wissen also auch nicht, ob wir dem Ort Unrecht tun.

Einige Menschen reisen in kleinen, andere in etwas größeren Fahrzeugen. Wir freuen uns über unsere kleine Tortuga :-)

Und zum Ende dieses Eintrages noch ein paar Stimmungen, die die einmalige Wolkenlandschaft für uns an den Himmel zeichnete.


Unten ist noch unser Video von den kleinen Gesellen.
Und nun auf, ans Ende der Welt!