Montag, 10. Mai 2010

Nun wird es bunt, Peru (20.04.-05.05.10)

Hola amigos,
da ist er - unser erster Post über das dritte Land unserer Reise: Peru. Bunt ist das Land, so versprechen wir es in der Überschrift und es ist tatsächlich so. War die Reise bisher geprägt von einzigartigen Landschaften und sehr viel Natur so kommt hier nun eine spannende und exotische Seite hinzu: Die Bevölkerung. Hier in Peru ist der indianische Einfluss stärker als der spanische und das ist natürlich sehr interessant für uns. Doch nun zum Bericht über unsere Erlebnisse:
Nach der (unproblematischen) Einreise nach Peru von Chile aus bummelten wir zunächst einige Tage am Meer entlang nach Norden. Schon am zweiten Tag spürten uns Brigitte und Wolfgang in ihrem "Monstertoyo" auf und wir fuhren zusammen weiter. Einige Nächte am wilden Meer später landeten wir in der alten Stadt Arequipa - zweitgrößte Stadt Perus. Der Kultuschock blieb aus, die Stadt zeigte sich lebendig, bunt und hochinteressant. Da Camping in Großstädten doch irgendwie nicht der Kracher ist, quartierten wir uns dekadent in einem knallblauen Hotel Baujahr 1936 ein. Auch schön, seine Toilette am Morgen nicht erst mit dem Spaten herstellen zu müssen und eine warme Dusche zu haben, die man per Hahn an und ausstellen kann. Man lernt sowas zu schätzen. Wir blieben ganz ausversehen vier Nächte....
Hotel Mercedes - wahrlich ein Mercedes unter den Übernachtungsplätzen in der Stadt.

Ein Balkon pro Person


Für uns das Highlight in der Stadt war der Besuch des Nonnenklosters Santa Catalina, das 1579 gegründet erst 1970 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Für den Besuch der Stadt in der Stadt benötigten wir einen ganzen Tag. Zur Blütezeit des Klosters lebten dort 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen. Heute sind es immerhin noch 28 Nonnen. Das Kloster verfügt über zahlreiche schmale Straßen, mehrere Kreuzgänge, eine Kathedrale, viele Küchen und versteckte Räume. Die kunstvollen Wandmalereien sind hervorragend erhalten und wunderschön. Man fühlt sich beim Durchwandern der alten Mauern um Jahrhunderte zurückversetzt. Der Duft von Holzfeuer liegt noch in der Luft, leise erklingen Choräle aus versteckt angebrachten Lautsprechern.



Enge Gassen



Einer der vielen Kreuzgänge

...und gleich noch einer


Außerhalb der Klostermauern pulsiert das Leben. Besonders den Markt liebten wir - hier gibt es allen, was das Herz begehrt (und mehr). Das Stadtviertel drumrum bietet in kleinen Gassen dem Handwerk platz. So ähnlich muss es auch vor zweihundert Jahren ausgesehen haben. Eine Schustergasse, eine mit Eisenwaren, eine mit Schreibwaren, eine andere mit Messerschleifern. Hier hindurchzubummeln ist ein Erlebnis. Auch meine Lieblingssandalen wurden hier kunstvoll geflickt und das eine oder andere Utensil gekauft (nicht nur kiloweise Obst auf dem Markt.)


Neben Grundnahrungsmitteln bietet die Stadt auch kulinarische Köstlichkeiten. Eine Straße war voll mit Konditoreien, die Kunstwerke anboten, die jenseits der 100.000 Kilokalorien rangieren. Corinna war nur schwer davon abzuhalten, so ein Monstrum zu erstehen. Sehen toll aus gell? Und dann eine ganze Straße voll davon...

Nach den vier Tagen ging es dann aber wieder zurück in die Natur. Wie sollte es auch anders sein - es ging wieder steil hinauf in die Anden auf weit über 4.000m Höhe. Wir fanden neben der dünnen Luft und dem tiefblauen Himmel endlich die Möglichkeit, ein Beweisfoto für die extremen Temperaturen hier oben zu schießen. Wie wär's mit einem Wüsteneis?


Gemeinsam mit unseren Freunden campierten wir (wie alle unserer "Vorfahrer") auf dem Parkplatz am Cruz del Condor auf etwa 3.800m Höhe. Auf der Höhe soll man leicht essen, es gab ein gewaltiges, scharfes Reisgericht und danach 250g Schokolade im warmen Landcruiser der Beiden, der über eine Standheizung verfügt, die auch in großer Höhe einwandfrei funktioniert. Die Unsrige läuft immerhin auch 20 Minuten, bevor ihr die Puste ausgeht - für warme Füße vor dem Schlafengehen reicht's immerhin auch.


Schon vor 6.00 Uhr waren wir wieder auf den Beinen. Dieser Tag gehörte den Kondoren, die am Morgen bis gegen Mittag in der Schlucht zu beobachten sein sollten. Früh kamen schon die lokalen Händler und boten ihre Waren an....


...und dann öffnete sich die Manege (in Form des an dieser Stelle 1.200m tiefen Colca Canyons) für die Könige der Anden - die Kondore. Sie kamen! Und sie kamen nahe! Wow!!!


Der Canyon ist wundeschön und wollte auch im Inneren erforscht werden. Mit Gepäck für zwei Tage machten wir uns auf den Weg nach unten. In der Oase Sangalle fanden wir Quartier. Das Klima war angenehm mild. Die Oase liegt auf "nur" 2.100m und kühlt nachts nicht so stark ab, wie die Orte oben.

Da wir in der Nebensaison dort waren, waren wir die einzigen Gäste in der Lodge. Zu unserer Überraschung erklärte uns Tomas, der Besitzer, wo in der Küche alles ist und machte sich dann gemeinsam mit seiner Frau, ein paar Mulis und einem Esel im Schein des Mondes auf den beschwerlichen Weg hinauf in den Ort (4 - 5 Stunden steil bergan).
Küche der Lodge!

Am Morgen stiegen auch wir wieder auf. Hienein in die Wolken und den Regen, der hier "ausnahmslos" im Januar und Februar fällt (wir wurden dennoch nass). Hier Gegenverkehr auf der Hauptstraße in den Canyon

Oben angekommen fanden wir unsere Tortuga wohlbehalten im Innenhof der Polizeistation von Cabanaconde wieder. Dort hatten wir sie geparkt. Die netten Polizisten erlaubten uns sogar, die Dusche der Station zu benutzen - wer weiß, mit welchem Hintergedanken, überlebt haben wir dennoch. Anwenderhinweis: Schalter betätigen, dann Hahn öffnen und duschen. Zum Abstellen umgekehrte Reihenfolge.
Das sagten sie uns nach dem Duschen, als ich sie auf ihre nicht ganz VDE-gerechte Elektroinstallation hinwies (dass man den Hahn beim Duschen nicht berühren sollte, stellten wir im Selbstversuch fest...).

Der Regen wurde heftiger, man kann sagen, ein Wolkenbruch entstand daraus. Wir fuhren weiter, mitten durch die Wolken - im Schrittempo, Heizung auf "volle Pulle".

Nach dem Regen sah das dann so aus:

...und am nächsten Morgen dann so:


Da uns der Colca Canyon so gefallen hat, entschlossen wir uns zu einem weiteren Canyonabenteuer: Dem Besuch des Cotahuasi Canyon, der mit 3.370m Tiefe als der tiefste Canyon der Welt gilt (was an der unserer Meinung nach etwas seltsamen Messmethode vom Gipfel der angrenzenden Berge aus bis zur Sohle der Schlucht). Wie dem auch sei, der Canyon ist unbeschreiblich schön. Auf unserer Reise der Superlative gehen mir nun langsam die Adjektive aus - es war eines der Highlights! Die Zeit steht dort still (oder es fehlen zweihundert Jahre). Die Menschen sind so entspannt, freundlich und interessiert an Besuchern, es macht Spaß, dort zu Gast zu sein. Sicher ist die anstrengende und lange Anreise dorthin verantwortlich für die "Insellage" dieser Schlucht. Über sieben Stunden holpert man auf einer Piste über mehrere Pässe auf Höhen von über 4.600m. Aus dem einen geplanten Tag dort wurden drei- was eigentlich noch immer viel zu wenig ist. Hier der Hauptort Cotahuasi.

Der Hutmacher


Das Ergebnis (der zweite Hut von links, untere Reihe hängt da nicht mehr - er gehört nun Corinna)

Fortbewegung im Canyon. Autofahren ist möglich - doch Schwindelfreiheit ist gefragt


Blick aus dem Fenster (Mütter bitte nicht hinsehen)!



Wir besuchten den Wasserfall Sipia, Höhe 150m. Da nimmt man doch für's Foto lieber Hilfsmittelchen, um da nicht an die Kante ran zu müssen oder? (Feigling)

...währenddessen plazierte sich Corinna am Wasserfall (kein Feigling). Offenbar hatte die Fahrt auf der schmalen Piste am Abgrund ihrer Höhenangst das Vorzeichen vertauscht. Mir blieb jedenfalls die Spucke weg... (Mütter bitte nochmal wegschauen!!!)
Ist keine enge Piste am senkrechten Fels vorhanden geht es auch mal durch kleine Orte. Hier Tomepampa. So eine mittige "Gosse" gab es im Mittelalter auch mal bei uns in der lüneburger Altstadt. Hier ist sie noch da und noch in Betrieb. Es handelt sch hierbei übrigens nicht etwa um eine Einbahnstraße sondern die Durchgangsstraße durch den Ort!


Frühstücksplatz auf 3.500m mit Blick auf den Nevado Solimana (6.093m). Dazwischen liegt unser Canyon.

Unsere nachmittägliche Wanderung brachte uns gut 700 m hinauf auf fast 4.100m zum "steinernen Wald" nahe des Örtchens Pampamarca. Inzwischen klappt das schon ganz gut mit der Höhe.

Am nächsten Tag probierten wir über eine Nebenstrecke aus dem Canyon nach oben zu fahren. Wir durchquerten den Miniort Ancaro (15 Häuser und eine Käserei) und wurden von dieser Indianerin angesprochen. Unser Spanisch reichte für einen kleinen Plausch. Eine weitere Indianerin gesellte sich hinzu und wir blieben eine Weile dort. Es war so schön zu sehen (und zu hören), wie zufrieden diese alte Frau in dem kleinen Dorf mit der phantastischen Aussicht ist. Wir durften sie sogar fotografieren und saßen anschließend mit ihr auf einem Stein und sahen uns die Bilder auf dem kleinen Kameramonitor an. Sie hatte einen Heidenspaß daran. Zu gern hätten wir ihr ein Portrait von sich geschenkt.


...nach dem Shooting...


Das Ganze fand vor der Käserei statt, an der ein reger Betrieb herrschte. 300 Liter Kuhmilch bringen die Bauern aus der Umgebung jeden Tag per Esel dorthin. Aus acht Litern entsteht ein Kilo weißer, milder Käse. Einen davon haben wir gekauft und essen noch heute davon. Leider konnten wir aus Höflichkeit nicht ablehnen, auch die frische Milch zu probieren. Vermutlich das war der Grund für einige Tage Durchfall für uns beide. Wir buchen das unter das Kapitel Abhärtung. Hier ein "Milchtaxi"
...und das ist der Blick vom Ort ins Tal:


Hier noch einige pelzige Bewohner der Region:

Gibt's auch in hell...


...so stellt man sich doch den Lebensraum der Lamas vor. Das Bild entstand wenige Augenblicke vor Sonnenuntergang vor der Kulisse des Nevado Coropuna (6.425m).


Einen Tag und sieben Stunden Fahrt später waren wir wieder im Jahr 2010. Schade. Warum sind wir nicht noch geblieben? Wir haben doch Zeit. Nun, wir wollen noch so viel sehen - zum Beispiel die 15 Millionen Jahre alten Fußspuren eines Fleischfressenden Dinosauriers. So ein Abdruck ist etwa 50cm lang (auch wenn es auf dem Bild aussieht, als wären das Vogelspuren).

Spannend solch alte Spuren Doch was ist das? Das Viech rennt da ja noch rum!!!!!!!!!!!

Die Attacke haben wir auch überstanden. Heute sind wir in der Riesenstadt Lima eingetroffen, die wir vermutlich recht schnell wieder verlassen werden. Mit 40 Bildern war das der bisher längste Post. Wir hoffen, er war dennoch nicht langweilig. Wir empfinden Peru bisher als tolles Land. Argentinien und Chile trumpfen mit wunderschöner Natur, sind kulturell jedoch sehr "europäisch". Peru ist schon echtes Südamerika. Aufgrund unserer Reiseplanung (bzw. der Jahreszeiten) bewegen wir uns derzeit totrugauntypisch schnell nach Norden. Den Westen des Landes wollen wir auf dem "Rückweg" in Richtung Süden erforschen. Peru ist also noch lange nicht "abgefrühstückt" für uns.
Soviel für heute, Hasta luego, las Tortugas
PS: Inzwischen haben wir die ersten 20.000 Kilometer absolviert sowie etwas mehr als 200.000 Höhenmeter überwunden. Unsere Tortuga läuft super! (Das macht unserer Rechnung nach 1% Steigung über die Gesamtstrecke. Ist doch gar nicht so schlimm oder?).