Buenos dias amigos,
hier ist er nun - unser zweiter Peru-Post. "Die Küste hinauf" klingt zugegebener Maßen ein wenig neutral. Tatsächlich bietet uns dieses spannende Land auch hier an der Küste jede Menge Abwechslung. Zum Beispiel wechselte innerhalb der letzten 1.500km auf der Panamericana die Wassertemperatur von "eklig"zu "Badewanne". Wir entspannen derzeit ganz im Norden Perus unter Palmwedeln am leise rauschenden handzahmen Pazifik. Immer wieder springen wir ins Wasser und wollen gar nicht wieder heraus. Doch dazu weiter unten im Post - nun kommen erstmal die Erlebnisse der letzten zwei Wochen. Diese fanden auf und in der Nähe der Panamericana statt, der sogenannten Traumstraße Amerikas. Für uns bestand das Abenteuer dieser Strecke darin, sie unbeschadet zu überstehen. Riesige LKW der US-amerikanischen Marken Mack, White, Frightliner International und wie sie alle heißen reihen sich aneinander, dazwischen drei- bis vierachsige Reisebusse mit Möchtegernschumis als Piloten. Da die Straße durchweg geteert ist (oder war) erlaubt dies eine hohe Reisegeschwindigkeit. Der Reiz dabei liegt nun darin den zum Teil meterlangen und beeindruckend tiefen Schlaglöchern bei unverminderter Geschwindigkeit auszuweichen. Erschwerend kommen noch die langsamen Verkehrsteilnehmer hinzu (Eselskarren, Fahrräder und halblebendige Autos). Gut, dass unsere Tortuga klein und wendig ist und über sehr gute Bremsen verfügt. Immerhin hält es wach, wenn der entgegenkommende 50-Tonner kurz bevor er uns erreicht aufblendet und komplett auf unsere Fahrbahn wechselt. Das bedeutet dann "Schlagloch groß" und für uns ausweichen. Da das offenbar nicht immer so gut klappt mit diesem Prinzip stehen unzählige Kreuze an der Straße. Auch wir passierten vier z.T. schwere Unfälle - an Stellen, wo die Fahrbahn sehr gut war. Nun denn - zweitausend Kilometer Panamericana sind zu verkraften. Unsere inzwischen 22.000km verbrachten wir hauptsächlich auf kleinen, ungeteerten Nebenstrecken. Diese Pisten haben einen wesentlich größeren Reiz für uns. Egal in welchem Land, immer grüßen dort die entgegenkommenden Fahrer oder halten sogar für ein paar Worte an, wenn's richtig einsam ist. Doch nun zur Bildergeschichte:
Der Pazifik, der nun schon seit Monaten unser Begleiter ist, zeigt sich zu dieser Jahreszeit hier sehr oft durch Nebel verschleiert. Der Garúa genannte Küstennebel ist teilweise sehr hartnäckig. So ist zum Beispiel die Region um Lima herum fast ein halbes Jahr eingehüllt. Das Bild des Pazifiks, dass Corinna hier sieht ist allerdings glücklicher Weise nebelfrei.
Schade nur, dass man auf dem Bild nicht das Tosen des Ozeans hören kann sowie das Kreischen hunderter Seevögel. Ein wundervoller Ort zum Verweilen (und eines von Corinnas Lieblingsbildern)

Vom mächtigen Pazifik ging es dann in Richtung Nasca, wo die weltberühmten Nasca-Linien zu bestaunen sind. Zuvor passierten wir jedoch Chuchilla, wo Teile eines riesigen Friedhofs der Nascakultur freigelegt wurde (200v. bis ca. 800n. Chr.). Mehrere Tausend Gräber sollen es sein. Die inzwischen mumifizierten Toten wurden sitzend bestattet. Keramiken wurden als Grabbeigaben beigefügt. Ein gruseliger Ort. Interessant, dass die Mumien in den offenen Gräbern unter freiem Himmel zu besichtigen sind. In norddeutschem Klima wäre vermutlich nach einem Jahr kaum mehr etwas von den Mumien übrig. Hier gibt es praktisch keinen Niederschlag.


In Nasca angekommen kümmerten wir uns um einen Flug über die Linien. Für den nächsten Tag ergatterten wir den ersten Flieger. Um Punkt 7.00 Uhr hob unsere Chessna mit uns beiden und unseren Freunden Brigitte und Wolfgang ab.

Der Pilot hielt sein Versprechen und öffnete für uns Fotojunkies an jeder Figur das große Seitenfenster. Um uns gute Sicht zu ermöglichen, stellte er den Flieger dazu noch extrem schräg. Super!! (Brigitte und Corinna fanden's allerdings weniger witzig). Die Figuren sind geometrisch so exakt gearbeitet, dass man sich kaum vorstellen kann, dass die Künstler vor 1.400 bis 1.800 Jahren nicht mit Laservermessungssystem und GPS durch die Wüste geturnt sind sondern andere Wege gefunden hatten, die Figuren und Linien so akkurat in den Boden zu schaben. Die Figuren sind bis zu mehreren hundert Metern groß. Die Linien sind übrigens nur zwei bis fünf Zentimeter tief und wurden größtenteils von der deutschen Mathematikerin und Geologin Maria Reiche freigelegt. Die vor einigen Jahren in hohem Alter verstorbenen Frau wird hier hoch verehrt. Wir besuchten ihr kleines Museum, wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester auch bestattet ist. Ihr Lebenswerk zu betrachten ist nocheinmal zusätzlich beeindruckend.
Hier ein Foto der Spinne (46m lang):

...und hier der Kolibri (85m lang):
Tief beeindruckt kamen wir wieder heil unten an und bereiteten uns erstmal ein leckeres Frühstück. Corinna fand dabei diesen "Rotbackenpfeifdrüsling" direkt über uns (es ist ein Rubinthyrann).
Da es noch schön früh war, ließen wir noch schnell einen eingerissenen Innenkotflügel des Autos schweißen. An der Straße, ohne Wartezeit für 2,5 EUR. Das ist mal Dienst am Kunden. Wenn ich schon vom Auto spreche - nach sechs Monaten hier mal eine kleine Statistik: Pannen gab's nur eine (Reserveradträger gebrochen). Neben dem einen oder anderen Schräubchen, das sich durch die Vibrationen auf den Pisten gelöst hatte, gab es eigentlich nur regelmäßige Wartung für mich zu erledigen (hauptsächlich Abschmieren und permanetes Korrigieren des Reifendruckes, da wir zwischen 0 und 4.900 Höhenmetern hin und herfuhren). Eine Batterie hat den Geist aufgegeben (die teure Traktionsbatterie für den Innenraum). Alles in Allem haben wir bisher 145,- EUR an Reparaturkosten gehabt (incl. Ölwechsel und Teilen). Dank an die kleinen Ingenieure von Toyota - Nichts ist unmööögliiich!!!
Ein paarhundert Kilometer weiter nördlich erreichten wir die Oase Huacachina. Nach dem Passieren der sympathischen Wachmannschaft erklommen wir zum Sonnenuntergang eine der Dünen und genossen den Blick auf die kleine Oase.
Und weil das so schön war, stellten wir unseren elektrischen Hahn auf 5.30 Uhr und staksten am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang wieder dort hinauf - ganz bis oben. Es war grandios. Die Welt schlief noch und wir waren allein - nur meine Wüstenballerina und ich.

Da kommt sie - die Sonne...

Nach der Wüste ging es in die Stadt. Die Hauptstadt Lima! 10 Millionen Menschen, mehr als ein Drittel aller Peruaner leben hier. Nicht sehr reizvoll für mich diese Zahl.... Die Stadt überraschte jedoch mit einer tollen Altstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Wir wanderten (sicherheitshalber ohne jegliche Wertsachen oder dicke Kamera) den ganzen Tag herum und genossen die pulsierende Stadt. Einige Museen besuchten wir, unter Anderem auch die Katakomben der Stadt, wo mehr als 70.000 Menschen begraben sind. 25.000 Gebeine sind freigelegt und zu besichtigen. Ja, die Sepulkralkultur verfolgt uns derzeit...
Hier die Kathedrale:
...und hier der berühmte Brunnen vor reich verzierten Häusern an der Plaza de Armas:
Große Städte haben auch Vorteile. So fanden wir einen Edelsupermarkt, der zu deutschen Preisen allerhand deutsche Dinge im Programm hatte. Mit Bavaria Blue Blauschimmelkäse, Gruyere und 4,5kg SCHWARZBROT kamen wir schwer beladen am Auto an. Ja, wenn Deutsche lange reisen, werden sie komisch und zahlen jeden Preis für richtiges Brot. (Ralph im Himmel!)

So - genug Stadtlärm und "Dieganzezeitaufdieklamottenaufpassen". Nur hundert Kilometer außerhalb des Mollochs fanden wir Ruhe, Natur, Einsamkeit im Nebelwald Lachay. Der klitzekleine Nationalpark wird ausschließlich vom Nebel mit Feuchtigkeit versorgt und liegt mitten in der Wüste wie eine Oase. Zwei Tage bewegten wir uns nicht von der Stelle und tankten Vogelgezwitscher und leise säuselnden Wind. Wir waren wieder einmal ganz allein....

Weiter ging's auf der Panamericana. Auf dem Programm stand die älteste Stadt Amerikas, Caral. Erst vor wenigen Jahren aus dem Sand gegraben beeindruckt diese Stadt mit Oberstadt und Unterstadt auf mehreren Hektar sowie sechs Pyramiden und einem runden Paltz, der vermutlich für Vorführungen und rituelle Handlungen genutzt wurde. Das Alter der Stadt wird auf 4.600 Jahre geschätzt (etwa zu der Zeit wurden auch die großen Pyramiden in Ägypten errichtet, wenn wir recht informiert sind).
...und am selben Tag gleich nochmal alte Steine: Cerro Sechín. Diese Kultstätte wird der Chavín-Kultur der Küstenwüste zugeordnet. Die Anlage entstand etwa 1.800 bis 1.300 v.Chr und war möglicherweise ein großes religiöses Zentrum für Opferzeremonien. Zu tollem Fotolicht waren wir am Nachgmittag dort - wieder allein. Klasse!!!!


Nach vielen Kilometern todmüde erreichten wir in der Dunkelheit den (zu dieser Jahreszeit verschlafenen) Badeort Huanchaco. Herrlich, wenn man von lieben Menschen GPS-Koordinaten hat und zum Schlafplatz nur den Pfeilen auf dem Navi hinterherfahren muss. Fast wie zuhause :-) Im Garten eines Hotels durften wir direkt am Pool sicher stehen. Am Morgen krähte der Hahn besonders laut und ich drückte am Wecker herum. Ging nicht aus. Komisch! Als das Hirn dann besser funktionierte fand ich den Hahn - er stand direkt neben dem Auto, zwei Meter von unseren Köpfen entfernt ;-)

Sohnemann war wohl auch etwas verschlafen an diesem Morgen und fiel in den Pool....

...nach dem Wachwerden gleich wieder Kultur: Die Lehmstadt Chan Chan. Die Hauptstadt des mächtigen Reiches der Chimú (1.000 bis 1.450 n.Chr) war seiner Zeit vermutlich größte Stadt der Welt (!!!). Sie dehnte sich auf 20 Quadratkilometern aus und bot Lebensraum für 50.000 bis 80.000 Menschen. Heute sind noch 14 Quadratkilometer der komplett aus Lehm erbauten Stadt erkennbar.



Sohnemann war wohl auch etwas verschlafen an diesem Morgen und fiel in den Pool....

...nach dem Wachwerden gleich wieder Kultur: Die Lehmstadt Chan Chan. Die Hauptstadt des mächtigen Reiches der Chimú (1.000 bis 1.450 n.Chr) war seiner Zeit vermutlich größte Stadt der Welt (!!!). Sie dehnte sich auf 20 Quadratkilometern aus und bot Lebensraum für 50.000 bis 80.000 Menschen. Heute sind noch 14 Quadratkilometer der komplett aus Lehm erbauten Stadt erkennbar.


...die Lehmarbeiten sind wunderschön...

Das ist schon exotisch. Das Besondere an diesem Markt ist aber etwas anderes: Der angeschlossene Mercado de Hierbas - der Kräutermarkt. Darunter versteht man hier den Schamanenmarkt. Das Ganze ist nicht etwa für Touristen hübsch aufgemacht, es ist wirklich so (Touristen sahen wir zwei!). In der "Nocturn-Gasse" fanden wir Stinktierfelle, Leguane, Schlangenhäute, Rehfüße, Zauberstäbe(!) Tierschädel und jede Menge Mittelchen aus Kräutern oder Tierteilen...

Auf der Weiterfahrt machte uns unser Reiseführer darauf aufmerksam, dass wir doch bitteschön am wohl interessantesten Markt Perus nicht vorbeifahren sollten. Dieser ist in der Stadt Chiclayo und bietet das übliche bunte Treiben des Gemüse-und Fleischmarktes. Große Fische gibt's auch (vermutlich Haie):
Geflügel zum Abendbrot?
...oder lieber ein paar frische Innereien?

Das ist schon exotisch. Das Besondere an diesem Markt ist aber etwas anderes: Der angeschlossene Mercado de Hierbas - der Kräutermarkt. Darunter versteht man hier den Schamanenmarkt. Das Ganze ist nicht etwa für Touristen hübsch aufgemacht, es ist wirklich so (Touristen sahen wir zwei!). In der "Nocturn-Gasse" fanden wir Stinktierfelle, Leguane, Schlangenhäute, Rehfüße, Zauberstäbe(!) Tierschädel und jede Menge Mittelchen aus Kräutern oder Tierteilen...

Das reichte uns erstmal. Ohne Rehfüße aber mit allen Händen voller Tüten mit frischem Gemüse und Obst und reparierten Lieblingsschlappen (acht Bananen umgerechnet, 25 Ct, ein Kilo Limetten 25 Ct, Schuhreparatur 1,5 EUR etc.) ging es die letzten paarhundert Kilometer bis hierher. Hierher ins Paradies!!!!



Noch ca. 80 Kilometer sind es bis Ecuador. Wir haben Peru in etwa vier Wochen von Süd nach Nord durchquert und es sehr genossen. Die Menschen sind sehr nett und offen, das Land ist extrem vielseitig und farbenfroh. Das Inland haben wir jedoch noch weitestgehend unentdeckt gelassen. Das müssen wir dann auf dem "Rückweg" machen. Sicher benötigen wir dafür nochmal vier bis sechs Wochen. Wir hoffen, dass wir sie haben werden. Nun geht es erstmal auf Hochzeitsreise. In ein paar Tagen startet unser Flieger von Guayaquil aus für zwei Wochen zum Galapagos-Archipel. Wir freuen uns total!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Hier campieren wir nun seit ein paar Tagen an der Lodge Tres Puntas kurz vor dem kleinen Fischerdorf Zorritos und lassen es uns am herrlichen Sandstrand des warmen (WARMEN!!!) Pazifiks gut gehen. Wir sind angekommen in den Tropen!



Noch ca. 80 Kilometer sind es bis Ecuador. Wir haben Peru in etwa vier Wochen von Süd nach Nord durchquert und es sehr genossen. Die Menschen sind sehr nett und offen, das Land ist extrem vielseitig und farbenfroh. Das Inland haben wir jedoch noch weitestgehend unentdeckt gelassen. Das müssen wir dann auf dem "Rückweg" machen. Sicher benötigen wir dafür nochmal vier bis sechs Wochen. Wir hoffen, dass wir sie haben werden. Nun geht es erstmal auf Hochzeitsreise. In ein paar Tagen startet unser Flieger von Guayaquil aus für zwei Wochen zum Galapagos-Archipel. Wir freuen uns total!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Liebe Grüße von den tortugas














