Donnerstag, 11. März 2010

Vier Naturparks - vier Highlights, Argentinien (25.02.-12.03.2010)

Buenas tardes amigos. hier sind wir wieder - mit dem zweiten Anlauf.
Sorry, dass wir Euch vor ein paar Tagen den Mund wässrig gemacht haben mit einer vielversprechenden Überschrift und dann nur zwei Bilder zu sehen waren. Die waren übrigens aus dem Nationalpark San Guillermo und kommen ganz am Ende des Posts. Der Grund für den "Absturz" waren leider nicht die ungeduldigen Hormone des jung vermählten Paares (doch naheliegende Idee Karola und Wolfgang :-) sondern schlichtweg die trödelige Internetverbindung der Nationalparkverwaltung. Bei aller Liebe: Fünf Minuten sollte der Upload eines einzelnen Bildes dann doch nicht dauern. Zu unserer Freude entschloss sich der Computer dann, die beiden Bilder zu veröffentlichen und sich dann partout nicht mehr dazu bewegen zu lassen, nochmal für drei Minuten online zu gehen um sie wieder zu löschen. So, genug der Erklärungen - vermutlich interessiert das eh niemanden... Nun zum Thema:
Nach Hochzeit und Erdbeben hat es uns wieder in die grandiose Natur verschlagen, die dieses Land zur Erforschung bereithält. Um keine Erbsen zu zählen gehe ich allerdings nicht auf den Unterschied zwischen "Park National" und "Park Provincial" ein. Es gibt beides. Zunächst ging es zum Vulkan Maipo an der Laguna del Diamante. Auf 3.300 Metern Höhe an der einsamen Lagune bauten wir unser Lager auf, bereiteten uns ein exquisites Mahl aus verdorbenem Fleisch und legten uns für ca. 48 Stunden sterbenskrank mit Zwieback und Kamillentee in unser Autobett. Klar, dass das nicht wirklich so geplant war. Die Höhe war auch nicht wirklich eine Hilfe zum Wohlbefinden. So blieben wir einfach etwas länger und begannen verspätet, diesen einzigartigen Ort zu genießen.



Der Maipo im frühen Morgenlicht

Nördlich des einsamen Parks gab es eine spannende Stichstraße auf der Karte, die uns zu einem Pass führen sollte, der mit etwa 4.350m bis dato unseren Höhenrekord stellen sollte. Er nennt sich "Puerta Argentina" (oder so ähnlich) und ist zu Pferd oder zu Fuß als Übergang nach Chile zu nutzen. Mit dem Auto kommt man recht einfach auf 4.200m, dann hört die Piste abrupt auf und es führt ein steiler Trampelpfad hoch zur "Pforte". Auf der Höhe 150m hoch zu laufen ist nicht ganz so einfach, wie es klingt. Zur Nacht machten wir es uns in einer Wolke auf 3.600m gemütlich. Der Versuch, die Standheizung zum Leben zu erwecken war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Immerhin knapp 15 Minuten hustete sie heiße Luft in unser trautes Heim, exakt bis zu meiner leider getätigten Feststellung: "Klasse, geht ja doch auf der Höhe". Solch waghalsige Behauptungen verkneife ich mir in Zukunft... Den Bus fanden wir interessanter Weise auf 3.600m Höhe. Wie der da hingekommen ist weiß wohl niemand. Er hatte jedenfalls einen deutlichen Frontschaden - es müssen also irgendwann in grauer Vorzeit auch mal mehrere Fahrzeuge dort gewesen sein. Wir trafen nur zwei Mountainbiker (Respekt!) und eine Gruppe Motocrosser.


Knapp unter den Wolken - wir fuhren noch 1.000m höher!


Zugegebener Maßen etwas zusammenhanglos dieses Bild. Ich denke, es waren die Bluesbrothers ("We're putt'n the band back together"). Das Auto ist geschrunpft, die Megaphone nicht. Dieses Exemplar eines gepflegten Automobils gehört in Argentinien nicht zu den Schlechten...


Etwa 200km nordöstlich von Mendoza kamen wir an diesem getrockneten See vorbei. Es ist kein Salz sondern Lehm. Hier treffen sich die Cartsurfer zu Geschwindigkeitsrekorden. Wir waren allein und versuchten auch keine Höchstgeschwindigkeiten. Der faszinierende See sollte uns als Nachtlager dienen, in der Nacht des großen Bebens in Chile. Gut gewählt der Ort - absolut sicher. Das große Beben haben wir ja nun verschlafen, doch auch das Nachbeben am nächsten Morgen hat für einen Schreck gereicht.


Gegenüber des Sees gibt es einen weniger bekannten Nationalpark: El Leoncito. Hier stehen zwei ältere Observatorien, die beide besichtigt werden können. Die Höhe und das Wüstenklima ermöglichen gute Verhältnisse zur Erkundung des Weltalls. Wir besichtigten das Größere der beiden und erfuhren, dass wir auch eine nächtliche Lifevorführung erleben konnten. Und das ohne wochenlange Voranmeldung (wie bei den weltgrößten Teleskopen auf chilenischer Seite nötig). Für 21.00 Uhr meldeten wir uns an und sahen gegen 20.30 Uhr einer Wolkenwand zu, wie sie sich uns näherte und sogar ein paar Regentropfen abwarf. Mist! Hier ist an 270 Tagen im Jahr wolkenloser Himmel! Ich war frustriert und Corinna baute mich mit dem Vorschlag auf, noch einen Tag auf dem ruhigen Camp des Parks zu verbringen und es am nächsten Abend nochmal zu versuchen. Doch dann der Clou: Nach einem wolkenlosen Tag kam um 20.30 Uhr eine Gewitterfront.... Uaaargh!!!!!!!!!! Durch eine Wolkenlücke schaute uns allerdings dann doch für ein paar Minuten der Vollmond an - Am Lagerfeuer sitzend schossen wir mit der guten alten 400mm-Leica-Linse ein paar Fotos. So klar ist die Luft hier!!!

Nicht am selben Tag geschossen aber thematisch passend: Wer kennt das Motiv am südlichen Himmel???


...und wieder ganz woanders - auf dem Weg zu den beiden Parks Ischigualasto und Talampaya fanden wir unsere ersten großen Kakteen. Zu unserer Überraschung mit Bewohnern. Es gibt sie also doch: Fakire! Wir haben uns gefragt, wie die Viecher (bei starkem Wind!) landen können, ohne sich selbst aufzuspießen...


Angekommen im "Valle de la Luna" Ischigualasto. Der Park ist gut geschützt, da er als Kalender der letzten Jahrmillionen wie ein aufgeschlagenes Buch daliegt. Paleontologen können hier die Entwicklung des Lebens auf der Erde wunderbar studieren. Hier wurde vor ein paar Jahren das älteste Saurierskelett ausgebuddelt, das bisher gefunden wurde (ein recht unscheinbares Tierchen, etwa einen Meter hoch). Es gibt jedoch auch die aus "Jurassic Park" bekannten Gesichter wie Raptoren oder Thyrannoraurus. Für uns Laien gab es eine dreistündige, geführte Tour im eigenen Fahrzeug. Wir waren mit fünf Autos in der Abenddämmerung unterwegs. Der Ranger in Auto Nummer eins war sehr gut informiert und brachte sein Wissen auch gut "rüber". Zur Krönung erlaubte er Corinna und mir sowie einem Auto voller Spanier, bis Sonnenuntergang im Park zu bleiben und dann allein zum Ausgang zurück zu fahren. Ein Erlebnis: Allein auf dem Mond!!!!!





Die Nacht durften wir für fünf Pesos (ein Euro) pro Person direkt am Parkoffice campieren. Hier gab es sogar eine freie W-LAN Verbindung. Man freut sich, wie sehr Deutschland doch in dieser Richtung hinterherhinkt.... Nach dem Abendessen bekamen wir sogar noch Besuch. Ein Pelztier rannte (!) unter unserem Auto hindurch und schaute mich mit jeder Menge Augen an. Ich informierte meine inzwischen im Auto befindliche Arachnophobierin über den Ankömmling und sie kam tatsächlich heraus (erste Überraschung). Die zweite Überraschung für mich war folgende Kommunikation: C: "Oh Gott ist die GROOOOß!" R: "Hmmm - Stimmt! Wahnsinn! Kenne ich nur aus dem Fernsehen! Wusste gar nicht, dass es die hier gibt!" (Kamera wurde herausgeholt und in Windeseile begonnen zu Fotografieren. Doch nun kommt der Clou:) C: "Duuu.... auf dem Foto sieht man doch gar nicht, wie groß die wirklich ist!" R: "Nö stimmt!" C: "Warum hälst Du nicht mal Deine Hand daneben, damit man einen Vergleich hat?"
Äh...OK: Ich kenne die Antwort: WEIL ICH MICH NICHT TRAUE!!! Cooler Vorschlag eigentlich. Leider war ich in dem Moment nicht so schlagfertig zu sagen: "Gute Idee - aber mach Du das lieber - Deine Hand ist kleiner, da wirkt unser Gast NOCH GRÖßER!"

Wir haben die Nacht überlebt :-) Am nächsten Tag ging es zum Nachbarpark Talampaya. Dort ist der Zugang noch reglementierter. Es geht nur mit einem Minibus, einem Allradexpeditionsfahrzeug oder: Mit dem Fahrrad! Jep! gebucht!. Am nächsten Morgen ging es dann los: Corinna, Parkranger Hector und ich auf Mountainbikes mit der Aufschrift "Parques Nacionales de Argentina" machten sich auf dem Weg zu dem spektakulären Canyon.


Die "gothische Kathedrale" von außen


...und von innen.


Voller Eindrücke und glücklich machten wir uns auf den Weg in Richtung Chile. Noch immer hatten wir vor, den fast 4.800m hohen Paso Agua Negra zu nehmen. Nach vielem Fragen und der Belagerung der örtlichen Gendarmeria Nacional (die ich versuchte, zu einem Anruf in der Nachbarprovinz zu bewegen) hatten wir endlich die Gewissheit: Der Pass war noch offen! Blöderweise hatten wir auf dem Weg dorthin unsere erste Panne auf dieser Reise: Der Reserveradträger hielt der Dauerbelastung der z.T. wüsten Wellbelchpisten nicht mehr stand und brach in der Mitte durch. Rumms! Zwangspause auf einem Berggipfel direkt neben einem riesigen Betonjesus, der schützend seine Hände ausbreitete. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass die gebrochene Schweißnaht nicht von mir stammt, sondern eine nicht kontrollierte Verbindung ist, die das Eisenteil in seinem früheren Leben als Treppe zusammengehalten hat. Nun war sie glatt abgebrochen und das Gewicht des Reserverades hat die ganze obere Befestigung aus dem Blech gerissen. Bäh - hier muss der Dorfschmied ran (der leider 50km wilde Piste zurück wohnt).


Der Dorfbastler war schnell gefunden und bot nach der Siesta seine Hilfe an. Sogar ein mobiler Putzlappen wurde gestellt - leider in einer unpraktischen farbe. Dunkelbraun oder Dunkelgrau wäre besser (unauffälliger) gewesen. Nun ist alles wieder ganz (und die Finger wieder sauber).

Es folgte eine Planänderung: Corinna schlug vor, den sehr wenig besuchten und nur schwer zugänglichen Nationalpark San Guillermo zu besúchen. Hier sind die südlichsten Bestände von Vicunas zu finden, viele Guanacos und es besteht eine gute Chance, Pumas zu sehen. Wow! Die Hürden waren jedoch groß. Zunächst war es Freitag, 14.00 Uhr. Die Nationalparkverwaltung schloss um 13.00 Uhr. Montag ging es wieder los. Bäh! Na egal. Wir informierten uns in der Touriinfo und man sagte uns, dass es ohnehin nur mit einem Guide gehe, da es keinen Weg in den Park gebe - man müsse 100km im Flussbett fahren. Schonmal gut gell? Wir bekamen die Adresse des Rangers Alberto, besuchten ihn und verabredeten uns zu Montag zu einer mehrtägigen Tour. Dann suchten wir am nahen See einen Schlafplatz und probierten das Offroadfahren schonmal erfolgreich aus....

...und auch die Bergung ging ganz gut. Es sei zu sagen, dass ein langsam einsinkendes Fahrzeug bei der Besatzung unbekannte Kräfte mobilisiert. Corinna fuhr Stück für Stück die ersten Meter nach dem Buddeln zurück - ich schob... dann Yeeaaahhh!!!!!

Vor dem Besuch eines so wichtigen Parks (nur etwa 35 Besucher pro Jahr!!!!) musste ich noch zum "Andenfriseur".


San Guillermo! Anreise am ersten Tag bis ca. 3 Stunden vor (!) die Parkgrenze, dann Übernachtung auf einer einsamen Estancia und am nächsten Morgen früh los. Es folgte ein spannender Tag, der für Corinna (hinten im Auto hin und herschaukelnd) und mich (15 Stunden Offroadfahrens) anstrengend aber unvergesslich werden sollte. Pumas sahen wir leider nicht, dafür Vicunas, Guanacos, unberührte und unglaubliche Weite....


...einen neugierigen jungen Silberfuchs


...wieder Weite und das mit der Gewissheit, im Umkreis von 150km ganz allein zu sein (nun gut, zu dritt eben)

Die Panoramen waren schon fast unwirklich. Die Weite des 980.000 Hektar großen Parks ist einmalig. Wir hatten Zeit zum Verweilen.


Das Flussbett war tatsächlich eine Herausforderung, da der Fluss reißend war. Ca. 14 Mal mussten wir queren. Das ist die "Hauptstraße"!


Hopsa - da sind wir schon unten angekommen. Wir hoffen, mit den Bildern ein kleines Bischen von dieser unglaublichen Natur haben übermitteln können. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe sind wir schon in Chile, haben den Paso Agua Negro überwunden und sind auf dem Weg zum Pazifik, den wir morgen erreichen sollten. Mal sehen, was wir dort erleben werden. Geplant ist nur ein Abstecher, in etwa einer Woche wollen wir wieder in Argentinien sein uns auf der östlichen Seite der Anden bis kurz vor die bolivianische Grenze fahren, um dann erneut nach Chile einzureisen. Mal sehen, ob wir das so machen werden.
Bis in Bälde,
Die Tortugas (noch immer total im Reisefieber)