ziemlich genau vier Wochen ist es her, seit wir das letzte Mal von uns haben hören lassen. Die lange Pause hat zwei Gründe. Der eine ist sehr schön und heißt "Karibik" (wer will denn nach Internetverbindungen suchen, wenn es Strand, Palmen, Kokosnüsse und Temperaturen gibt, die zum Nixtun animieren?). Der zweite Grund ist nicht so schön: Es ist die Zeit, die uns inzwischen etwas im Nacken liegt. Wer Lust hat, uns auf der Landkarte zu suchen wird leicht sehen, dass das obere Ende Südamerikas sozusagen schon nach Zentralamerika hineinreicht. Wir sind verdammt weit gefahren, haben viele Kilometer auf stark befahrenen Teerstraßen verbracht, haben uns mit LKW Wettrennen geliefert und können nun nicht mehr behaupten, der Panamericana weitestgehend aus dem Weg gefahren zu sein. Nach sechs echten Fahrtagen ohne nennenswerte Zwischenstops erreichten wir dann unser Ziel: Die Karibik. Sie begann für uns mit einer erfolglosen Suche nach einem schönen und sicheren Übernachtungsplatz (wohl unser größtes Problem in Kolumbien überhaupt). Der Kompromiss fand sich: Ein nicht schöner aber 100% sicherer Übernachtungsplatz direkt vor dem Hauptquartier einer Marinedivision, die unerklärlicher Weise 200km vom Meer entfernt war (Für diejenigen, die erst die Bilder ansehen und dann den Text lesen: Nein, wir waren freiwillig dort und durften auch die Dusche und das WC nutzen :-) Polizei und Militär sind massiv präsent im ganzen Land und durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht und fühlen uns in Kolumbien wirklich sicher. OK, aber kein schöner Ort, meinen 40. Geburtstag zu feiern. Den verlegten wir kurzerhand zu einem Traumstrand nach Wahl.

Nach all dem Teer und den Strapazen fing das Land nun an, uns zu gefallen. In Salento besuchten wir eine Kaffeeplantage und genossen die Ruhe und das angenehme Klima auf 1.700m Höhe. Kolumbien ist landschaftlich sehr vielseitig und extrem grün und exotisch. Tropen eben.

Kaffee - die Bohnen reifen nicht zeitgleich. Es wird kontinuierlich geerntet. Gelb und rot heißt reif.

...dann werden die Bohnen gewaschen und mehrere Tage lang in der Sonne getrocknet. Sieht sehr schön aus.

Auf der Plantage wächst praktisch alles, was man zum Leben braucht. Baumaterial...
...und Essen...
2.000km Teerstraße haben bei Tortuga Entzugserscheinungen hervorgerufen. Endlich wieder "richtige" Straßen hier oben. Jawoll!
...und da führt er hin, der Schlammweg. Das kannte ich bisher nur von Postkarten und den hübschen Motivtapeten der siebziger Jahre.... (Corinna kannte schon die venezoelanische Karibik). Man stelle sich dazu eine ganz leichte Brise, 30°C (Luft wie Wasser) und wenig Menschen vor (die Moskitos am Abend und die stickige Nacht verschweige ich).
Viel hatten wir gehört von der Stadt Cartagena. Sehr schön sollte sie sein, eine Perle der Karibik. Sogar ich freute mich sehr darauf, sie zu besuchen. Von hier hätten wir vor einigen Monaten nach Panama verschifft, hätten wir unseren Plan nicht geändert. Ja, die Stadt ist toll. Staunend schlenderten wir durch die altertümlichen Gassen und genossen das etwas "kühlere" Klima. Hier gab es etwas Wind, der vom Meer her wehte.


Nun waren wir wirklich "oben" angekommen und hier wollten wir einige Wochen verbringen und uns darüber hinweg trösten, auf dem Hinaufweg so wenig von diesem schönen Land gesehen zu haben. Noch immer reisen wir mit unseren Freunden Brigitte und Wolfi zusammen, die eigentlich gar nicht bis nach Kolumbien fahren wollten, sich aber bei uns infiziert hatten. Sie träumten von zwei Wochen unter Palmen. Die sollten sie bekommen. Vorher gab es allerdings Wellness im Schlammvulkan. Als Mensch rein, als Alien raus. ist doch was oder?
Im Reiseführer steht, dass der "Vulkan" 2.500m tief ist. Eigentlich kein gutes Argument, da hineinzuspringen. Wir taten es dennoch. Absoluter Wahnsinn. Schwerelos schwebten wir im weichen, kühlen Matsch. Dann kamen da noch nette Menschen und massierten uns, während wir schwebten. Hat was. Anschließend ging man dann (so vorhanden auch mit weißen Schuhen...) zur nahen Lagune und spülte den Schlamm ab.

So, das ist er, der Platz für den Geburtstag. Taganga. Zwar doch keine Palmen aber eigener Strand, Schatten, eine Torte, nette Gäste und Geschenke. Was will man mehr?
Ein Geschenk wurde sogleich umgesetzt. Ein Tag auf dem Tauchboot, Schnorchelausrüstung für Corinna und zwei Tauchgänge für mich. Es war traumhaft!!!!!! Vielen Dank an Karola und Wolfgang.




Nur wenige Kilometer entfernt vom "Hippieort" Taganga quartierten wir uns an der Bahia Concha ein. Erst für eine Nacht, dann für eine weiter, dann noch eine.... Das ist er: Unser Traumstrand! Rechts, direkt am Strand im Wald stehen die Autos.


Das Wasser war so klar und warm - es war paradiesisch. Tags schnorchelten wir am nahen Riff und freuten uns über die vielen Fische oder mieteten uns ein Kajak, um die große Bucht zu erkunden. Abends erwarteten wir den Sonnenuntergang, später schwammen wir im nächtlichen Meer, das träge an den Strand schwappte und freuten uns über Millionen "Glühwürmchen" unter Wasser, die unsere Hände und Füße sichtbar machten. Leuchtalgen. Wow!
...noch ein Abend...

...und noch einer...

...letztlich blieben wir fünf Tage, erholten uns sehr gut und nuckelten die Autobatterien mit dem Kühlschrank leer. Das Auto wollte noch länger bleiben. Schweren Herzens ignorierten wir diesen Vorschlag unserer Technik, gaben uns selbst Starthilfe und fuhren ein paar Kilometer weiter, wieder in den Tayrona Nationalpark (in dem auch unsere Bahia Concha liegt). Begrüßt wurden wir durch diesen gut einen Meter langen Parkwächter, der ein paar Meter über uns im Baum saß und sich der Aussicht erfreute.

Der Park trägt wohl zu recht den Ruf des schönsten Nationalparks Kolumbiens. Wir entschlossen uns, eine eintägige Wanderung zu unternehmen. Die Alternative, eine fünftägige, geführte Tour vom Meer aus bis auf 4.000m nahmen wir nicht wahr. Das Klima ist einfach zu extrem. Die hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von deutlich über 30°C animieren nicht gerade zum Tragen eines schweren Rucksacks. So genossen wir es, Tarzan und Jane zu spielen. Allein im Regenwald!


...und noch einer...

...letztlich blieben wir fünf Tage, erholten uns sehr gut und nuckelten die Autobatterien mit dem Kühlschrank leer. Das Auto wollte noch länger bleiben. Schweren Herzens ignorierten wir diesen Vorschlag unserer Technik, gaben uns selbst Starthilfe und fuhren ein paar Kilometer weiter, wieder in den Tayrona Nationalpark (in dem auch unsere Bahia Concha liegt). Begrüßt wurden wir durch diesen gut einen Meter langen Parkwächter, der ein paar Meter über uns im Baum saß und sich der Aussicht erfreute.

Der Park trägt wohl zu recht den Ruf des schönsten Nationalparks Kolumbiens. Wir entschlossen uns, eine eintägige Wanderung zu unternehmen. Die Alternative, eine fünftägige, geführte Tour vom Meer aus bis auf 4.000m nahmen wir nicht wahr. Das Klima ist einfach zu extrem. Die hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von deutlich über 30°C animieren nicht gerade zum Tragen eines schweren Rucksacks. So genossen wir es, Tarzan und Jane zu spielen. Allein im Regenwald!

Die Tour führte abwechselnd durch den Dschungel und am Strand entlang. Leider war das Baden nur an wenigen Stellen gefahrlos möglich. Schilder warnten vor den starken Strömungen und berichteten von bisher über 100 Toten, die die Warnungen misachtet hätten. Diese Abschreckung wirkte bei uns. Gut über 20km liefen wir und wurden kurz vor der Rückkehr von einem Gewitter eingeholt. In der Dämmerung wanderten wir im strömenden Regen in Badeklamotten durch den Regenwald. Eine einzigartige Erfahrung, die man leider nicht auf dem Foto festhalten kann... Die beiden Esel, die wir vor dem Gewitter trafen, sind einfachere Motive ;-)
Unsere Freunde waren schon weitergefahren. Sie trafen wir am nächsten Traumstrand, wo sie die letzten zwei Tage verbracht hatten.
...gemeinsam fuhren wir zu Traumstrand Nummer drei. Oder war das schon vier? man verliert die Übersicht....
Von hier jedenfalls, konnte man am frühen Morgen bis hinauf zu einem Gletscher blicken, der auf einem fast 5.000m hohen Andenriesen liegt. Es ist die einzige Region auf der Welt, wo man vom tropischen Strand auf einen Gletscher blicken kann. In dessen Nähe wären wir auf der Fünftagestour gewandert...na, man kann nicht alles haben... Herunterfallenden Kokosnüssen auszuweichen oder Fischer im Einbaum zu beobachten ist auch was Einzigartiges.
....oder aber im warmen Wellenbad zu planschen, das hier nicht von gefährlichen Srömungen verleidet wird. Danke für den Fotoeinsatz Wolfi :-)
...es folgten nach all der Erholung wieder ein paar Kilometer Autofahrt. Ziel war es, den nördlichsten Punkt Kolumbiens - und gleichzeitig Südamerikas - zu besuchen. Es erwartete uns eine völlig andere Landschaft und andere Kultur. Das satte Grün wich einer Halbwüste mit wenig Vegetation. Die Temperaturen stiegen auf 38°C, die Luftfeuchtigkeit sank zum Glück etwas. Die Menschen hier sind fast ausnahmslos Indianer, die in kleinen Communidades wohnen. Bis hierher zum Cabo de la Vela war es noch verhältnismäßig zivilisiert. Es gab eine recht gute Piste und kleine Orte, allerdings auch einige "Straßensperren", die man durch den Handel mit Bonbons, Lutschern oder Murmeln beseitigen konnte. Dennoch eine traurige Erfahrung.
Nach der langen Strecke erreichten wir wieder das Meer.
...doch weiter östlich begann das Abenteuer: Der Weg zum nördlichsten Punkt war eine Herausforderung an die Navigationskünste und für das Material. Hierhin, in den Osten der Halbinsel Giajira verirren sich selten Besucher. Es gibt keine Wegweiser mehr, dafür unzählige Spuren. Dennoch: Angekommen. Das ist das nördliche Ende Südamerikas!!!!

Die Navigation wurde nicht einfacher. Oft fuhren wir einfach querfeldein. Auf den Dünen funzte das richtig. Sandkasten für große Kinder :-)

Wir waren froh, mit zwei Fahrzeugen unterwegs zu sein. Zum Einen wegen der guten Navigationsausstattung des Monstertoyos (Danke an Euch Beide), zum Anderen wegen der Sicherheit.....
Erst versank der eine.....

...dann der Andere hoffnungslos im bodenlosen Schlamm. Für sowas benötigt man also die schwere Winde am anderen Auto.

Schönes Spielzeug - aber bei dem Schlamm auch an der Leistungsgrenze. Unsere Kupplung stinkt immer noch...

Wir hatten nach einiger Zeit alle Autos wieder geborgen und es ging langsam - sehr langsam nach Süden. In jeder Communidad fragten wir nach dem Weg und erhielten viele widersprüchliche Aussagen. So meanderten wir duch die Gegend und lernten einige Communidades kennen. Das Leben der Indigenas ist einfach und findet draußen statt. Abwechselnd fanden wir saubere und total vermüllte Communidades. Das muss wohl an der Einstellung des Oberhauptes zu modernen Verpackungsmaterialien liegen, die nicht immer gleich ist. Zum Übernachten fragten wir immer bei den nicht vermüllten Communidades nach und durften dann in der Regel unser Lager zwischen den Hütten aufschlagen. Trotz der Armut empfanden wir die Menschen hier im Nordosten meist als zufrieden und stolz.



...die vielen Tage auf steinigen Pisten forderten ihren Wegeszoll. Unsere erste Reifenpanne nach exakt 27.190km. Reparatur einen Tag später für 2,- EUR (und einen Tag drauf gleich nochmal richtig für 3,- EUR).

Erleichtert, verdreckt und mit fast auf Null gefahrenen Wasservorräten erreichten wir eine Woche später wieder die Zivilisation, ließen die Autos waschen und durchfuhren innerhalb von zwei anstrengenden Tagen Wüstenklima, die heißen Tropen und gemäßigtes Bergklima, bis wir in dem verschlafenen Ort Villa de Leyva ankamen. Dort war Jahrmarkt auf der Plaza, was reizvoll war... Das Reiten aufngefleckten Tieren klappte noch ganz gut - eine Übung, die sich als wichtig erweisen sollte :-)

Die Navigation wurde nicht einfacher. Oft fuhren wir einfach querfeldein. Auf den Dünen funzte das richtig. Sandkasten für große Kinder :-)

Wir waren froh, mit zwei Fahrzeugen unterwegs zu sein. Zum Einen wegen der guten Navigationsausstattung des Monstertoyos (Danke an Euch Beide), zum Anderen wegen der Sicherheit.....
Erst versank der eine.....

...dann der Andere hoffnungslos im bodenlosen Schlamm. Für sowas benötigt man also die schwere Winde am anderen Auto.

Schönes Spielzeug - aber bei dem Schlamm auch an der Leistungsgrenze. Unsere Kupplung stinkt immer noch...

Wir hatten nach einiger Zeit alle Autos wieder geborgen und es ging langsam - sehr langsam nach Süden. In jeder Communidad fragten wir nach dem Weg und erhielten viele widersprüchliche Aussagen. So meanderten wir duch die Gegend und lernten einige Communidades kennen. Das Leben der Indigenas ist einfach und findet draußen statt. Abwechselnd fanden wir saubere und total vermüllte Communidades. Das muss wohl an der Einstellung des Oberhauptes zu modernen Verpackungsmaterialien liegen, die nicht immer gleich ist. Zum Übernachten fragten wir immer bei den nicht vermüllten Communidades nach und durften dann in der Regel unser Lager zwischen den Hütten aufschlagen. Trotz der Armut empfanden wir die Menschen hier im Nordosten meist als zufrieden und stolz.



...die vielen Tage auf steinigen Pisten forderten ihren Wegeszoll. Unsere erste Reifenpanne nach exakt 27.190km. Reparatur einen Tag später für 2,- EUR (und einen Tag drauf gleich nochmal richtig für 3,- EUR).

Erleichtert, verdreckt und mit fast auf Null gefahrenen Wasservorräten erreichten wir eine Woche später wieder die Zivilisation, ließen die Autos waschen und durchfuhren innerhalb von zwei anstrengenden Tagen Wüstenklima, die heißen Tropen und gemäßigtes Bergklima, bis wir in dem verschlafenen Ort Villa de Leyva ankamen. Dort war Jahrmarkt auf der Plaza, was reizvoll war... Das Reiten aufngefleckten Tieren klappte noch ganz gut - eine Übung, die sich als wichtig erweisen sollte :-)
Noch einige Hundert Kilometer weiter südlich erreichten wir nach vielen Asphaltkilometern, zwei Tagen und drei Hörbüchern wieder einen Ort zum Verweilen: San Augustin im Süden des Landes. Hier, auf 1.700m auf der Finca el Cielo sind wir nun. Es ist still, das Klima ist angenehm und die Seele kann baumeln.

...doch nur zum "Baumeln" sind wir nicht gekommen. Es gibt hier Ausgrabungen, die sehenswert sind. Steinfiguren aus der Zeit ab 3.500 v. Chr. sind an verschiedenen Stellen zu sehen. Wir entschlossen uns zu einem Reitausflug zu weniger bekannten Figuren, statt die Hauptstätte zu besichtigen.

Eine Nacht werden wir noch bleiben, dann geht es wieder weiter. Vermutlich in zwei Tagen werden wir wieder nach Ecuador einreisen. Ein so großes Land in nur vier Wochen zu bereisen hat irgendwie Pauschaltouristcharakter. Die Entscheidung, so schnell zu reisen, war letztliche richtig, sonst hätten wir dieses vielseitige Land mit den freundlichen Menschen aufgrund unserer nun begrenzten Zeit gar nicht kennenlernen dürfen. Dennoch war es uns zu hektisch - bis auf die Zeit an der Karibikküste. Erstmalig hatten wir auf dieser Reise das Autofahren satt und wünschten uns mehrmals ein "Beam uns rüber Scotty!" Kolumbien zeigte sich uns durch extreme Gegensätze: Es ist einerseits eines der zivilisiertesten Länder unsere Tour, hat die besten Straßen und die meisten Menschen. Andererseits sind Teile des Norden so arm, wie wir es auf unserer Reise bisher nirgends gesehen haben. Hier gibt es noch Hunger! Landschaftlich reicht es von gemäßigt über tropisch bis zum Wüstenklima - teils alles an einem Fahrtag im Auto zu erleben. Fast überall wurden wir freundlich und offen aufgenommen. Die Menschen sind aufgeschlossen.
Misfallen hat uns Zweierlei: Zum Einen die unsichtbare Präsenz der FARC, der Rebellenorganisation, gegen die die Regierung derzeit massiv vorgeht. Da gibt es sichere und unsichere Gebiete, wenige Kilometer voneinander entfernt. Man sieht es nicht, man spürt es nicht, man muss immer fragen und den Kontakt zu den Menschen suchen. Der andere Punkt ist die Bevölkerungsdichte. Hier einen ruhigen, autofreien Ort zur Nacht zu finden ist Glücksache. Wir haben mehrfach in / an Stundenhotels geschlafen, an lärmigen Straßen neben Militärposten oder sind auf der nervigen Nachtplatzsuche von Finca zu Finca getingelt, bis es dunkel war, ohne Asyl zu bekommen. Das ist nicht unsere Art zu reisen, daher freuen wir uns auch wieder auf den weniger dicht besiedelten Teil Südamerikas, möchten aber unser Kolumbienabenteuer nicht missen.
Bis bald,
die Tortugas

...doch nur zum "Baumeln" sind wir nicht gekommen. Es gibt hier Ausgrabungen, die sehenswert sind. Steinfiguren aus der Zeit ab 3.500 v. Chr. sind an verschiedenen Stellen zu sehen. Wir entschlossen uns zu einem Reitausflug zu weniger bekannten Figuren, statt die Hauptstätte zu besichtigen.
Das ist der Blick von unserer Tortuga aus, aufgenommen gestern Abend.

Eine Nacht werden wir noch bleiben, dann geht es wieder weiter. Vermutlich in zwei Tagen werden wir wieder nach Ecuador einreisen. Ein so großes Land in nur vier Wochen zu bereisen hat irgendwie Pauschaltouristcharakter. Die Entscheidung, so schnell zu reisen, war letztliche richtig, sonst hätten wir dieses vielseitige Land mit den freundlichen Menschen aufgrund unserer nun begrenzten Zeit gar nicht kennenlernen dürfen. Dennoch war es uns zu hektisch - bis auf die Zeit an der Karibikküste. Erstmalig hatten wir auf dieser Reise das Autofahren satt und wünschten uns mehrmals ein "Beam uns rüber Scotty!" Kolumbien zeigte sich uns durch extreme Gegensätze: Es ist einerseits eines der zivilisiertesten Länder unsere Tour, hat die besten Straßen und die meisten Menschen. Andererseits sind Teile des Norden so arm, wie wir es auf unserer Reise bisher nirgends gesehen haben. Hier gibt es noch Hunger! Landschaftlich reicht es von gemäßigt über tropisch bis zum Wüstenklima - teils alles an einem Fahrtag im Auto zu erleben. Fast überall wurden wir freundlich und offen aufgenommen. Die Menschen sind aufgeschlossen.
Misfallen hat uns Zweierlei: Zum Einen die unsichtbare Präsenz der FARC, der Rebellenorganisation, gegen die die Regierung derzeit massiv vorgeht. Da gibt es sichere und unsichere Gebiete, wenige Kilometer voneinander entfernt. Man sieht es nicht, man spürt es nicht, man muss immer fragen und den Kontakt zu den Menschen suchen. Der andere Punkt ist die Bevölkerungsdichte. Hier einen ruhigen, autofreien Ort zur Nacht zu finden ist Glücksache. Wir haben mehrfach in / an Stundenhotels geschlafen, an lärmigen Straßen neben Militärposten oder sind auf der nervigen Nachtplatzsuche von Finca zu Finca getingelt, bis es dunkel war, ohne Asyl zu bekommen. Das ist nicht unsere Art zu reisen, daher freuen wir uns auch wieder auf den weniger dicht besiedelten Teil Südamerikas, möchten aber unser Kolumbienabenteuer nicht missen.
Bis bald,
die Tortugas


















